Report Mainz
"Nachgefragt: Totgeburt"
Report Mainz am 22.märz 1999
Bericht: Klaus Weidmann, Moderation: Bernhard Nelessen
Mitunter hat unsere Berichterstattung ganz konkrete, greifbare Folgen. Und wenn Mißstände behoben werden, weil Report Mainz sie veröffentlicht hat, wollen wir Ihnen das nicht vorenthalten.
Im verganenen Sommer haben wir darüber berichtet, das totgeborene Kinder unter 1000 Gramm Gewicht in der Regel nicht bestattet werden. Sie werden entsorgt wie Müll.
Schlimmer noch: In Berlin wurden sie zu Granulat verarbeitet. Unser Bericht schlig Wellen, die Verantwortlichen haben Reagiert und Klaus Weidmann hat nachgefragt.
Bericht: Ein Mensch im 5. oder 6. Schwangerschafttsmonat. Eine Frühgeburt. Wenn das Kind lebt - und nicht in Verbindung mit einem Schwangerschafzsabbruch den mütterlichen Leib verlassen hat - wird alles getan, um sein Leben zu erhalten. Wenn es still = tot zur Welt kommt, wird es entsorgt. Als Sondermüll.
In Berlin ging man noch weiter: Hier sind totgeborene Babys jahrelang sogar zu Granulat verarbeitet worden. Aus Kostegründen - zusammen mit Exkrementen aus der Chirugie und infektiösem Krankenhausmüll. Dann wurden sie hierhin gekippt. Auf die Berliner Hausmülldeponie. Entsorgung menschlichen Lebens als Abfall.
Der Bericht löste Empörung aus. Nicht nur in Berlin. Was soll mit den während der Schwangerschaft, Geburt und kurz danach gestorbenen Kindern geschehen?
Angehörige der verstorbenen Kinder, Ärzte, Seelsorger und Politiker diskutierten öffentlich über ein Tabu - Thema und gestanden ein: Wir haben das Problem verdrängt. Nicht nur in Deutschland, sonern auch in anderen Ländern der Welt.
Wir haben berichtet: Bundesweit würden Fehl- und Totgeburten als Sondermüll behandelt, eine Aussage, die damals die Deutsche Krankenhausgesellschaft bestätigt hat.
Erste Konsequenzen in Berlin:
O - Ton Beate Hübner, Gesundheitssenatorin Berlin: "Tote leibesfrüchte unter 1000 Gramm werden jetzt in sogenannten Sammelkremationen auch einer Beerdigung bzw. eibem Urnengrab zugeführt."
Die Senatorin hat jetzt angeodnet: Fehl- und Totgeburten gelten in Deutschland nicht länger als Klinikmüll. Die Berliner Chariete setzt das bereits um. In beiden Särgen befinden sich insgesamt 60 Föten. Sie befinden sich auf dem Weg zum Krematorium von Berlin - Wedding.
Noch haben (z.B. die Klinik-) angestellten wenig Übung in dieser Sache.
Sie wissen nicht, wie sie die kleinen Säckchen in den Sarg legen sollen. Dann entscheiden sie sich, den Inhalt des Leichensackes einfach auszuschütten Wie soll sie es sonst machen?
Die Einäscherung bezahltin Deutschland übrigens das Krankenhaus. 30 - 50 Mark (= 15 - 25 Euro) pro Kind. AmEnde kommt die Asche in ein Gemeinschaftsgrab, und die Angehörigen werden davon benachrichtigt. Auf Wunsch sei natürlich auch eine Einzelbestattung möglich. Klingt gut. Aber werden sich wirklich alle Krankenhäuser an dem Modell beteiligen?
O - Ton, Jörg Robers, Deutsche Krankenhausgesellschaft: "...also gege ich doch leider davon aus, daß wohl die überwiegende Praxis in den deutschen Bundesländern noch die ist, dass während der Schwangerschaft, Geburt und kurz danach verstorbene Kinder als Sondermüll behandelt werden. Unser Wunsch ist es - nicht nur auf Grund Ihrer Intervention - und auf Grund der neuen Berliner Regelung und von Regelungen einzelner Träger darauf hinzuwirken, als Standartfall dazu überzugehen, eine Sammelbestattung in jenen Fällen vorzunehmen, wo die Angehörigen keine Beerdigung angestoßen haben."
Bitte nicht mehr länger die Behandlung als Sondermüll ... sondern von Zeugung an Mensch, verbunden mit einer würdigen Verabschiedung und einem anschließenden Begräbnis - in anwesenheit der Angehörigen als auch mitfühlender Freunde, denn es ist zu Recht traurig, wenn ein Kind vor den Eltern geht. Danke! Sollte doch eigentlich schon immer selbstverständlich gewesen sein ...