gib' mir deine Hand

Über "Die Macht des Händchenhaltens" von Prof. Gerti Sänger (erschienen in der Wiener Krone vom 23.1.2011)

In Krisensituationen können Handberührungen wie eine Droge wirken ...

Hin und wieder stimmen mich Universitätsstudien nachdenklich. Zum Beispiel diese: Jüngere Menschen halten eher das Handy als die Hand des Partners.

Seit die Beatles in den 60er Jahren "I want to hold your hand" sangen, ist Händchenhalten nicht mehr Händchenhalten: Es wird weniger Händchen gehalten, weil die intime Geste die coole jugendliche Alltagsästetik stört. Gleichezitig bedeutet Händchenhalten mehr als ein Kuss. Ein O - Ton einer Umfrage: "Die Gefahr zurückgewiesen zu werden, ist bei dem Versuch, Händchen zu halten, größer als beim Versuch zu küssen."

Einerseits ist Händchenhalten ein starkes Verbundenheitssignal nach außen. Es demonstriet klar und deutlich: "Ich bin für Dich da ... Wir gehören zusammen ..." Auch Freunde erfahren damit Trost und Nähe. Andereseits gebe ich ehrlich zu, das kräftige Männerhände für mich auch besonders erotisch sind. Wenn mir ein Mann zur Begrüßung einen schlaffen, leblosen Fleisch - Schwamm in die Hand legt, zweifle ich an seiner Vitalität und sogar an seinem "Fingerspitzengefühl". Kann einer die Empfindung einer Frau überhaupt spüren, wenn seine Hand so spannungslos ist, dass sie sich gar nicht auf einen Dialog mit dem restlichen Körper einlässt?

Eine der ersten postiven Erfahrungen, die ich mit mienem Liebsten machte, war ein Händedruck. Eine kräftige, fleischige Männerhand, die meine Finger mit diesem gewissen lebendigen Druck umfasst - das hat was.

Ein Händedruck kann nicht nur etwas ungemein Erotisches haben

Wie wirkungsvoll ein Händedruck sein kann, zeigt eine Studie der Universität Virginia. Die Forscher wollten wissen, wie die Reaktion auf die Androhung eines leichten Elektroschocks sind. In Kernspintomigraphen wurden von 16 Ehefrauen die verschiedenen Gehirnaktivitäten untersucht, wenn

a) der Partner

b) eine fremde Person

oder c) niemand

die Hand der Frau hielt.

Sie ahnen das Ergebnis: Händchenhalten wirkt wie eine Droge. Die Gehirnregion, in der Gefahr und Schmerzen verarbeitet werden, war weniger aktiv, wenn der Partner Händchen hielt. Übernahm diese Aufgabe eine fremde Person, war der Effekt geringer. aber noch nachweisbar. Hielt niemand die Hand der Frau wärend der Untersuchung, fiel das Ergebnis schlecht aus: Die Gehirnaktivitäten, die Angst und Schmerzempfindlichkeit anzeigen, feuerten wie wild.

über eine andere Untersuchung:

Dass Händchenhalten ein elementares Gefühl von Sicherheit vermittelt, zeigt auch eine andere Universitätsstudie: Spieler riskieren deutlich höhere Einsätze, wenn ihnen die Partnerin unmittelbar vor dem Speil die Hand drückte. (das Gleiche läßt sich auch beim Sport finden ...)

Auch ohne Kernspintomographien wusste man immer schon über die Macht der Hände Bescheid: heilendes Handauflegen, Segen spenden, Handschlags - Abmachungen ec. Sogar schon im Kindergarten wird zwei Streithanseln geraten: "Jetzt gebt Euch die Hand und seit wieder gut miteinander!"

In der Paartherapie lösen sich Blokaden oft erst in dem Moment, in dem ich bitte "Nehmt euch bei den Händen!"

Vielleicht wäre es keine schlechte Idee, einen "Tag des Händchenhaltens" einzuführen. So wichtig wie ein "Tag des Apfels", des "Kaffees" oder des "Denkmals" wäre er zumindest ...

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