folgendes erlebt fasst jede Mutter
Folgendes erleben fasst alle Angehörigen eines verstorbenen Kindes: einen Zusammenbruch, weil das Kind starb.
Für einen Mann und Vater /, für (Ur-) Großeltern ec. stirbt "nur" das Kind, was an und für sich schon schlimm genug ist, denn in jedem Fall stirbt ein Stück Zukunft.
Dieses Kind wird man nicht weiter aufwachsen sehen:
- keine Krabbelstube, kein Kindergarten, keine Schule, keine Berufsausbildung (für Buben: keine Musterung, kein Bundesheer)
- kein Kind - mit dem man angeln gehen kann oder in Urlaub fahren kann,
- kein Kind, das einem seine Freunde/ Partner/ (Enkel-) Kinder ins Haus bringen wird ...
Geschwister erleben die eigene Trauer, die Trauer der Eltern (und wenn die Großeltern einbezogen wurden, auch die Trauer der Großeltern), und das Gefühl (ein inneres Wissen), das Sie nicht das einzige Kind dieser Eltern sind, wenngleich dieses Ihnen unbekannte Geschwistern an einem Ort ist, wohin Sie eines Tages auch gehen werden. Manchesmal träumen Angehörige von ihrem toten Kind ...ob man an seine Träume glaubt, hängt von der individuellen Umgangsformen ab ... wird mir z.B. gestattet, das ich daran glauben darf, das es ein Leben nach dem Tod gibt?
Doch Mütter sind mehrfachbelastet:
Zusätzlich erlebt die betroffene Frau einen Zusammenbruch ihrer bisherigen wirtschaftlichen Lebensplanung, weil ihre Mutter - Kind - Pass bezogenen wirtschaftlichen Leistungen ab den Folgetag nach dem Todestag ihres Kindes weg brechen (von wenigen Ausnahmen abgesehen, z.B. wenn die Frau während ihrer Schwangerschaft als Risikoschwangere ihrer Krankenkasse gvegenüber durch den Behandelnden Arzt gemeldet war, wenn die Frau Zwillinge/ Mehrlinge erwartet hat, wenn die Frau bereits im Wochenschutz = 8 - 12 Wohen vor dem errechneten Entbindungstermin ec. sich befand.
Eine Mutter berichtet: Als mein Kind starb, war es gerade so, als hätte mir jemand den Boden unter den Füssen weggezogen. Meine gesamte Zukuftsplanung war wie eine Seifenblase zerplatzt. Die übrig geblieben Trümmer mußten neu zusammengefügt werden, damit ein Neubeginn möglich wurde.
Wenn das Kind während der Schwangerschaft starb, kommt für die Frau die Hormonell bedingte Umstellung auf "nicht schwanger" noch dazu.
Der Gesetzgeber ist noch brutaler/ herzloser, denn er schreibt, dass die betroffenen Frauen jenen Frauen gleich zu stellen sind, die im gleichen Zeitraum nicht schwanger waren.
Das hat folgende Auswirkungen
der Gesetzgeber erwartet sich: Am Tag nach dem Tod ihres Kindes muss die Frau wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Kann Sie das nicht, soll Sie aus anderen Gründen in den Krankenstand gehen, denn der Tod ihres Kindes ist für die Krankenkassen in Österreich keine Begründung für einen Krankenstand.
Daher ist es sehr wichtig, das die betroffenen Frauen nach dem Tod ihres Kindes umgehend zu Ihren Krankenkasse gehen, um den Tod ihres Kindes bekannt zu geben, aber auch um in Erfahrung zu bringen, ob Ihnen Ausnahmsweise doch noch - und wie lange noch - Mutter-Kind-Passbezogene Geldleistungen zustehen.
Der nächste Schritt für die Frauen ist - wenn Sie vor der Schwangerschaft berufstätig waren - das Sie ihrem Arbeitsgeber den Tod ihres Kindes umgehend melden müssen. Dazu reicht die schriftliche Bekanntgabe mit der Anfrage, wie weiter miteinander umgegangen werden kann. Viele Frauen nehmen jetzt ihren Resturlaub, sofern vorhanden. - denn auch eine Firma benötigt ein paar Tage Zeit für die Neuorientierung (z.B. der Wiederaufnahme der Frau zum jetzigen Zeitpunkt).
Die nächste Hürde sind die Mitarbeiter, denen Die Frau gegenübertreten muß. In der Regel haben die Mitarbeiter sich mit der Frau über die Schwangerschaft gefreut - doch wie jetzt gemeinsam über den Tod dieses Kindes reden? Einfach darüber hinwegsehen wird im Alltag häufig gemacht, ist aber kein guter Weg.
Die nächste Hürde ist - wenn der Arbeitsplatz mit (Stamm-) Kunden- oder (Stamm-) Patientenbetrieb war: Auch diese Menschen wußten/ahnten vielleicht schon etwas von der Schwangerschaft.
Jetzt denen gegenübertreten und es aushalten, einerseits die Ansage: sie schauen nicht mehr Schwanger aus. Haben Sie Ihr Kind schon geboren (wobei lebend geboren gemeint ist)?
Viele Frauen fühlen sich dem "Zusatzmartyrium" nicht gewachsen, und kündigen nach dem Tod ihres Kindes ihren Arbeitsplatz.
Was auf der Wirtschaftsseite massive Einbußen mit sich bringt, bringt auf der seelischen Seite für die betroffenen Frauen eine große Entlastung.