unsere Kirchen Gemeinde ist gestorben
Todesanzeige, abgedruckt in einer Tageszeitung
Mit Ausdruck tiefsten Bedauerns und mit der Zustimmung meiner Gemeinde gebe ich den Tod der Kirche zu Yonderton bekannt.
Herbert Wright, Pfarrer zu Yonderton
Die Trauerfeier findet am Sonntag um 11 Uhr statt
Die oben erwähnte Anzeige löste nicht nur in Yonderton lebhafte Diskussionen aus. Am Sonntag war die Kirche von Yonderton bereits um 10:30 Uhr bis auf den letzten Platz besetzt. Um 11 Uhr bestieg Pfarrer Wright die Kanzel und sprach: "Meine Freunde, Sie haben mir klar gemacht, dass Sie ersntlich davon überzeugt sind, das unsere Kirche gestorben sei. Sie zeigen keine Hoffnung auf Wiederbelebung. Ich möchte nun diese Ihre Mahnung auf die letzte Probe stellen. Bitte, gehen Sie alle - einer nach dem anderen - an diesem Sarg vorüber und sehen Sie sich den Toten an. Dann verlasen Sie die Kirche durch das Ostportal."
Alle Augen waren auf den Sarg gerichtet, der auf einer Bahre vor dem Altar stand. "Danach", fuhr der Pfarrer fort, "werde ich die Trauerfeier allein beschließen. Sollten einige von Ihnen ihre Ansicht revidieren, dann bitte ich diese, durch das Nordpotal wieder heinzukommen. Statt der Trauerfeier würde ich dann einen Dankgottesdienst halten."
Der Pfarrer trat an den Sarg und öffnete ihn. Einer der letzten in der Prozession war ich. So hatte ich Zeit genug, darüber nachzudenken: "Was war eigentlich die Kirche? Wer würde wohl in dem sarg liegen?" Ich bemerkte auch, dass das Nordpotal sich öffnete: herein trat eine kaum zu zählende Schar. Nun war es soweit, dass ich die tote Kirche sehen sollte. Unwillkürlich schloß ich meine Augen, während ich mich über den sarg beugte. Als ich meine Augen wieder öffnete, sah ich - in einen/m Spiegel - mich selbst.