Nigeria
Im Jahr 2010 durfte ich eine Mutter und ihren kurz nach der Geburt verstorbenen Sohn von der Klinik weg = in der Zeit vor dem Begräbnis - bis heute begleiten.
Nachdem die Mutter Klinikintern den Tod ihres Kindes wahrnahm, hat Sie sich sehr lautstark und sich gut in Szene setzend ihre erste Trauerrektion ausgelebt. Das hat dem Klinikpersonal Angst gemacht, weil so ein Verhalten in unserer Kultur unüblich ist.
Wenn Kinder vor den Eltern gehen: Die Mutter berichtete, das in Ihrer Heimat die Angehörigen die Verabschiedung und das Begräbnis organisatorisch vorbereiten, aber bei der anschließenden Umsetzung nicht dabei sind. Stellvertretend für die Angehörigen ist das ganze Dorf bei der Verabschiedung und dem Begräbnis dabei, sofern eine Frau kein Kind erwartet.
Grundsätzlich werden christliche Riten gerne angenommen, sond aber mit einem "Geisterglauben" vermischt. Dazu kommt noch ein Faktor: die Hygenie.
In Europa ist es seit Generationen üblich, Verstorbene auf einem friedhof zu beerdigen - und auf dem Friedhof dürfen keine Hunde.
In Nigeria wird beerdigt, wo gerade Platz ist, also auch im Garten nahe der letzten Wohnstätte des Verstorbenen. Wenn einen Hund graben anfängt, macht das in Europa eine Hund, weil er z.B. nach einem Knochen/ Maus gräbt...in Nigeria wird befürchtet, das der Hund die sterblichen Überreste eines Menschen ausgräbt. Daher wird um grabende Hunde ein großer Bogen gemacht oder aber ein grabender Hund wird verjagt.