Baby auf Entzug

Krone Gesund Reportage vom 17.12.2011 von Mag. Monika Kotasek - Rissel

Kinder drogenabhängiger Mütter erhalten als Babsisbehandlung Morphin - Tropfen. Immer öfter kommen nun aber zusätzlich Homöopathie, Akapunktur, Akupressur, Musiktherapie und mehr zum Einsatz.

Sie schreien schrill und ausdauernd, zittern, schlafen schlecht, schwitzen stark, haben Muskelzuckungen, Krampfanfälle und Durchfälle - Baby, die erst vor wenigen tagen das Licht der Welt erblickt haben und an Entzugserscheinungen leiden, weil ihre Mütter während der Schwangerschaft drogenabhängig waren. Mediziner sprechen dann vom  Neonatalen Abstinenzsyndrom (NAS). Diesen Kindern kann immer besser geholfen werden.

"seit einigen Jahren nimmt die Zahl betroffener Neugeborener dramatisch zu", stellt Prim. Univ.-Prof. Dr. Andreas Lischka, Vorstand der Kinder- und Jugendheilkunde am Wilhelminenspital in Wien, fest. "Hat die Mutter unbekannte Drogen eingenommen, deren Zusammensetzung immer wieder wechselt, zeigt das Neugeborene meist sofort nach der Geburt Symptome, bei Opiatmissbrauch erst am zweiten Tag" so Prim. Prof. Lischka.

Als Basis- bzw. Entzugstherapie erhalten die Kleinen, abhängig vom messbaren Schweregrad der oben genannten Symptome, Morphin - Tropfen. Diese Behandlung dauert etwa drei Wochen und wird langsam ausgeschlichen, dass heißt, es wird immer weniger Morphin verabreicht. Manche Kinder benötigen Beruhigungsmittel.

Was kann man außer dieser schulmedizinischen Methode noch tun? Diese Frage stellen sich beim Anblick der winzigen, leidenen Geschöpfe alle Ärzte. Daraus hat sich ein ganzheitlicher Bahandlungsansatz entwickelt. In vielen Spitälern erhalten die Babys außer sehr viel Zuwendung, Streicheleinheiten und liebevoller Pflege daher seit wenigen jahren auch Musiktherapie, Homöopathische Behandlungen, Akupressur, Akupunktur, Cranio - Sacral - Therapie etc.

"Wir versuchen, den Neugeborenen unter anderem mit Ohr - laserakupunktur zu helfen. Diese Methode gilt als weltweit anerkanntes Verfahren zur Reduktion von Entzugssymptomen und des Drogenverlangens bei erwachsenen Patienten. "Wir wollen nun herausfinden, ob auch babys mit Entzugssyntomen davon profitieren.", berichtet OA Dr. Wolfgang Raith von der Abteilung für Neonatalogie, Univ. - Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Med. Universität Graz, der dem TCM - Forschungszentrum Graz der Med. Akupunkturforschung in der Prädiatrie, angehört.

Vor drei Jahren startete sein Pilotprojekt: "Ein teil der betroffenen Kinder wird jeden zweiten tag insgesamt etwa zehn Minuten lang mit einem laser akupunktiert. Dabei konzentrieren wir uns auf fünf Punkte am Ohr und einige am Körper. Die Kontrollgruppe erhält diese Therapie nicht", erklärt dr. Raith. Mittlerweile ist trotz geringer Fallzahl eine Tendenz erkennbar: "Jene Babys, die akupunktiert werden, benötigen im Vergleich zur Kontraollgruppe fasst eine Woche kürzer medikamentöse Therapie", so OA Dr. Raith. Zudem entspannen sich die Kleinen schneller und schlafen besser.

Seit eineinhalb Jahren erhalten Neugeborene mit NAS im Wiener Wilhelminenspital homöopatische Behandlung. "Der Homöopath macht sich bei einer 'ganzheitlichen Visite' ein Bild vom Zustand des Babys und ermittelt zum Beispiel, ob es traurig oder ängstlich wirkt, wie sein Trinkverhalten aussieht, wie es schreit und schwitzt", erklärt OÄ Dr. Astrid Käfer, Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde am Wilhelminenspital in Wien. Dabei fließen auch Erfahrungsberichte der anwesenden Eltern, Psychologen und Ärzte ein.

Das Neugeborene erhält dann individuell abgestimmte Homöopathika in Form von Globuli (weiße Kügelchen), die es unter die Zunge gelegt bekommt. Diese Theraoie kann jederzeit neu adaptiert werden. Erste Auswertungen zeigen, dass die kleinen Patienten dadurcj weniger Medikamente (Morphin) benötigen.

Auch die Eltern werden unterstützt. "Denn nur jene, die selbst stabil sind, können für ihren Nachwuchs gut sorgen. Gleichzeitig ist das auch eine Chance für die Erzeihungsberechtigten, ihr Leben in den Griff zu bekommen", berichtet OÄ Dr. Käfer. "Während der ganzheitlichen Visiten stehen die Wertschätzung und Achtung vor den Patuenten un d ihren Eltern, ihrem Leiden und Ihren Möglichkeiten der Bewältigung im Vordergrund. Das hilft und motiviert die Eltern, für ihr Baby 'clean' zu bleiben oder zu werden."

Mit Unterstützung von PsycvhologInnen und SozialarbeiterInnen wird versucht, durch veränderungen im emotionalen und sozialen Umfeld der kleinen Patienten eine neue und bessere Ausgangsposition für die Zukunft zu schaffen und die Eltern - Kind - Bindung zu fördern. Nach der Entlassung aus dem Spital kümmern sich ambulante Einrichtungen um das Wohl dieser Familien.

ergänzende Info: HIV - infizierten Müttern ist Stillen nicht erlaubt. Hepathitis - B - Erkrankten grundsätzlich schon, außer es wird ein bestimmter Wert überschritten.

ergänzende Links: www.neonataler-drogenentzug.de

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