kleine Entscheidung - große Wirkung

In Selbsthilfegruppen berichten Angehörige von während ihrer Schwangerschaft, Geburt und kurz danach verstorbenes Kindes unterschiedliche Wortspenden, welche sie seelisch verletzten erlebt haben. Die Wortspenden kamen u.a. von Ärzten, Seelsorger, Bestatter:
hier ein kurzfassung:
- dein Ungeborenes war Gewebe oder eine Zelle, die ich Ihnen/dir entnommen habe (aber nicht dein/ Ihr ungeborenes, im Todesfall beerdigungswürdiges Kind)
- das war doch noch gar kein (im Todesfall beerdigungswürdiges) Kind
- medizinisch betrachtet: Trauere nicht um dein eben verstorbenes Kind (manche Ärzte geben immer noch der Verdrängung den Vorzug)
- medizinisch betrachtet: trauere nicht um dein verstorbenes Kind, denn ich schätze dich - medizinisch betrachtet - wie folgt ein: du kannst (ersatzweise) wieder schwanger werden. (das auch die Seele mitspielen muss, wird ausgeblendet)
- stell Dich nicht so an! Reißen sie sich gefälligst zusammen! (Dem Weinen wird nicht zugestimmt)
- Ärzte dürfen aufklären die Angehörigen zu ihnen zustehenden Bestattungsrecht, aber das bleibt jedem Arzt/ Hebamme ganz persönlich überlassen.
- Häufig berichten Ärzte von sich aus nicht vollständig über den letzten Weg des Kindes. Der Ansatz kann lauten: ich bringe ihr Kind zur Histologie, Pathologie, Prosektur - oder einfach nur: sollen wir ihr verstorbenes Kind noch dahingehend untersuchen? Die Angehörigen stimmen zu - ohne vorher in Erfahrung zu bringen, ob oder wieviel hinterher Ihnen zur Beerdigung übrig bleibt.
- Angehörige werden nicht überall dazu aufgeklärt, das " wer sich für einen chirugischen/ Medizinischen Eingriff entscheidet, damit das sterbende/ verstorbene Kind den Mutterleib verlassen kann - das der diese Behandlung durchführende Arzt das verstorben Familienmitglied dem Klinikmüll, der Gewebebank - oder eben einer Totenbeschau zuführen kann. Letzteres damit anschließend ein würdiges Begräbnis stattfinden kann.
So lange nicht Angehörige vorrangig selbstbestimmt entscheiden dürfen, wie der letzte Weg ihres verstorbenen Familienmitgliedes aussehen soll, entstehen vermeidbare Zusatzverletzungen. Dazu muss den Angehörigen angesichts des Todesfalles erst mal bewußt werden, was in ihrer Religion/ Kultur in so einem Fall üblich - und in der Stadt, wo der Verstorbene verabschiedet und begraben werden soll - erlaubt ist.
Nur wer die Fülle der Möglichkeiten (mit wirtschaftluichen Auswirkungen) wie ein großer bunter Blumenstrauß* ohne Beeinflussung angeboten bekommt, kann selbstbestimmt ohne vermeidbare Zusatzverletzung oder Reue wählen.
* damit meine ich nicht unbedingt alles aus einer Hand, sondern das es neben kostenpflichtigen auch kostenfreie Angebote gibt. Und das unterschiedliche Unternehmen unterschiedliche Angebote haben. Auch gibt es Fakten, die Angehörige persönlich individuell gestalten können. Schade ist in diesem Zusammenhang, das nicht alle Entscheidungen nach und nach entschieden und nicht nach und nach dem Sozialamt gegenüber bekannt gemacht werden darf, wenn Angehörige die Kostenübernahme über das zuständige Sozialamt sich wünschen.
Dabei geht es nicht nur um die Trauer, die Verschiedung, das Begräbnis, sondern auch um die Tätigkeiten/ Verpflichtungen während der Mindestruhezeit (Friedhofsgärtner, Blumenschmuck ...)

Laut Bert Hellinger gibt es eine Ordnung der Liebe.
In der Ordnung der Liebe wird erwartet, das zuerst die Generation der Urgroßeltern, dann die Genertaion der Großeltern, dann der Partner, dann das Kind stirbt.
Außerhalb der natürlichen Ordnung befinden sich jene, wo Generationen umgedreht werden, also z.B. im extremten Fall Kinder vor ihren (Urgroß-, Groß-) Eltern den Weg allen Lebens gehen.
Ein anderer Faktor für komplizierte Trauer ist, wenn die Liebe zum Verstorbenen nicht fließen darf, z.B. Ärzte darüber entscheiden, das Angehörige ihr verstorbenes Familienmitglied (nicht) beerdigen darf.
Wo komplizierte Liebe in einer Familie oder im Umgang mit sich selbst gelebt wird, findet komplizierte Trauer, kompliziertes Abschiednehmen (auch angesichts des eigenen Todes) statt.
Mitfühlende Freunde können heilsam, liebevoll, wertschätzend begleiten.
Tipp:
Familienhelferin /Heimhilfe automatisch, verlässlich, (nach Rücksprache: jeden Tag) senden, wenn der Behörde ein Sterbefall bekannt wird, insbesondere dort, wo mj. Kinder oder anderwertig auf Pflege angewiesende Familienmitglieder im Familienverband leben.
mobile Therapeutische Betreuung anbieten bzw. in Anspruch nehmen (Krisen finden bei den Angehörigen in den eigenen 4 Wänden statt. Selten haben Angehörige die Kraft von sich aus einen Therapeuten aufzusuchen, noch dazu mehrmals pro Wochen/ Monat.)
Es folgt ein Bericht von Gregor Brandl aus krone.at vom 3.4.2010:
Der letzte Weg: Angehörige zerbrechen oft am Schmerz
75.000 Todesfälle pro Jahr * 300.000 Angehörige bleiben zurück:
Jeder 5. zerbricht an der Trauer
Ostern - die jährliche Gedenkfeier des Todes und der Auferstehung Jesu Christi. (evang.) Gläubige gedenken gerade dieser Tage wieder den vorangegangenen Verwandten und Freunden. "Trauer ist normal und wichtig" sagen die Psychologen. Doch schon jeder fünfte Angehörige droht am Schmerz zu zerbrechen!
Die einen weinen, die anderen plagt Hoffnungslosigkeit, manche wollen nur verdrängen. "Jeder Angehörige geht mit einem Todesfall anders um", erklärt Dr. Gerhard Pawlowsky, Vorstandsmitglied des Landesverbandes für Psychotherapie (webseite: www.psychotherapie.at). "Trauer ist normal und wichtig." Doch schon jeder fünfte der jährlich 300.000 Hinterbliebenen droht am Schmerz zu zerbrechen. Die dramatischen Folgen: Schlaflosigkeit, Depressionen, Suchterkrankungen.
"Und genau diesen Menschen wollen wir nun mit unserem neuen Projekt helfen. Denn meist kommen die Probleme erst nach dem Begräbnis ans Tageslicht. Zuvor ist man mit der ganzen organisation abgelenkt", so der Geschäftsführer der Bestattung Wien, Christian Fertinger und seine Kollegin Eva Kozik.
Zu diesem Zweck wurden bereits spezielle Informationsabende ins Leben gerufen. Neu ist nun die Broschüre "Wegweiser für Trauernde". Darin werden wichtige Tipps gegeben und die konkrete Hilfe von Psychologen angeboten.
Link zur Webseite der Bestattung Wien passend zum Thema.