Vom Drang zu stehlen
Vom Drang zu stehlen von Prof. Gerti Senger, abgedruckt auf krone.at vom 11.9.2011
Sexuelle Erregung durch Diebstahl ist eine der wenigen sexuellen Abweichungen bei frauen. Mit Ladendiebstählen wollen wohlhabende, prominente Frauen aber auch auffalend oft ein Loch in ihrer Seele stopfen ...
Winina Ryder ist Multimillionärin. Sie ist schön, prominent und eine gefragte Schauspielerin. Und dennoch: Der US - Star fällt nicht nur durch ihre außergewöhnlichen Gaben auf, sondern auch durch wiederholte Ladendiebstähle (sofern die Frau erwischt und der Diebstahl damit erkannt & bestraft wurde. Mediale Berichterstattung ist eine weiter Dimension).
Auch Lindsay Lohan wurde wegen Ladendiebstahl angeklagt. Erst leugnetet Sie alles, dann erklärte sie, eine Halskette im Wert von 1830 Dollar nur als "leihgabe" mitgenommen zu haben. Schließlich das Geständnis: "Ja, ich habe geklaut." Doie Strafe: Sozialdienst - unter anderem in einem leichenschauhaus.
Die chinesische Schauspielerin Bai Ling teiht sich ebenfalls in die Riege der prominennten ein, die wegen Ladendiebstahl festgenommen wurde. Als Bai Ling auf den Flughafen von Los Angeles beim Stehlen erwischt wurde, rechtfertigte Sie sich damit, "einen emotional verrückten tag" hinter sich zu haben. Angeblich wurde auch schon die Sängerin Milva des Diebstahls bezichtigt. An billigen Modeschmuck vergriff sich die Tennis - Millionärin Jennifer Capriati. Und Jack Nicholsons Freundin Lara Flynn Boyle sagt man nach, dass sie aus dem "Weißen haus" etwas mitgehen ließ.
Die Liste der promineten Kleptomaninnen ließe sich naoch lange fortsetzen. Dei keine, anderen Delikt ist die Frauenquote so hoch wie bei der Kleptomanie. Drei von voier Dieben sind Frauen, in der Hälfte der Fälle beginnt Kleptomanie schon vor dem 20. lebensjahr. Zu den geschichtliche bekannten Kleptomanen gehört übrigens Karl May.
Alfred Hitchcock, der Altmeister des Psychogrusels, arbeitete in seinem berühmren Film "Marnie" die seelische Problematik der Kleptomanie als fazinierende künstlerische Studie auf. Marnie bestieht immer wieder ihre Chefs. Erst als sich ein neuer Arbeitgeber in sie verliebt und sich mit ihr eingehender auseinandersetzt, wird die psychische Ursache ihres zwanghaften Stehlens sichtbar.
Kleptomanie (pathologisches stehelen, von griech. "kleptein = stehlen, "mania" = Raserei) ist keine neue Krankheit. Sie ist auch nicht so weit verbreitet, wie das mediale Echo auf die wiederholten Ladendiebstähle der Promi - damen vermuten läßt. Der Drang zu stehlen wurde schon vor 100 Jahren als eine "unfreiwillige handlung als Antwort auf nicht beherrschbare Impulse" beschrieben.
Ob die Kleptomanie eher als Zwangsstörung oder eher als Sucht zu sehen ist, wird bis heute kontrovers diskutiert. Psychdynamische Erklärungen gehen von frühkindlichen Störungen und damit verbundenen, unkontrollierbaren Wut- und Allmachtsgefühlen sowie von sexuellen Perversionen aus. Auch ein aus der Balance geratener Gehirnstoffwechsel wird angenommen. Dazu passt, dass Kleptomanen häufig gleichzeitig eine Hyperaktivitätsstörung haben.
Einig sind sich die Wissenschafter darin, dass die Kleptomanie eine Impulskontrollstörung ist. Praktisch bedeutet das, dass die Anspannung und Erregung vor der Tat mit Erleichterung, Euphorie oder Lustempfinden während der tat kombinieret ist. Vor Gericht wird oft versucht, einen Ladendiebstahl, dem eigentlich die beereicherungstendenz zu Grunde liegt, als Kleptomanie dazustellen um damit eine aufgehobene oder zumindest eingeschränkte Schuldfähigkeit zu erreichen.
Die renomierte Psychoanalytikerin Louise J. Kaplan gilt als Spezialistin für derartige Störungen. Sie stellt den männlichen Perversionen wie zum Beispeil Sadismus oder Fetischismus, weibliche Perversionen, zum Beispiel die Kleptomanie und den Kaufrausch gegenüber. Beim fetischismus wird ein materielles Gut als ersatz für Gefühle eingesetzt. Dieser komplexe Vorgang erlaubt Gefühle der Sicherheit und Erregeung. Kaplan sieht Kleptomanie in diesem Sinne als einen Teilaspekt des Fetischismus. Ihre Ansicht nach sind für die durchschnittliche Kleptomanin Erregung und ein grundlegendes Gefühl der Sicherheit nicht voneinder zu trennen.
Wenn Kindern Liebe "geraubt" bzw vorenthalten wird, werden sie womöglich Kleptomanen
Manchmal stiehlt eine Kleptomanin, weil sie damit einen depressiven, äußerst verunsichernden Zustand vermeidet. Manchmal klaut sie, weil sie mit der Erregung, die sie beim Stehlen bzw. dem erwischt werden spürt, einer Angst vorbeugt - zum Beispiel der Angst vor Versagen, vor ausbleibender Anerkennung oder vor der Überflutung mit feindseligen Gefühlen. Louise Kaplan sieht einen Zusammenhang damit, dass der Kleptomanin in ihrer Kindheit das Gefühl "Geraubt" oder vorenthalten wurde, geliebt zu werden, sicher und behütet zu sein. Das Klauen eines Dinges wird unbewußt als "Entschädigung" für diese frühen emotionalen Entbehrungen erlebt. In diesem fall sei die Kleptomanie in Wirklichkeit eine verkleidete Anklage gegen Eltern, die ihrem Kind Liebe und Wertschätzung vorentahlten hätten, meint Kaplan.
Einen anderen Aspekt zeigt die Forscherin damit auf, dass Kleptomanie in der Öffentlichkleut stattfindet: "Der Diebstahl ist eine Anklage gegen die soziale Umwelt und ein rachsüchtiger Angriff auf ihre Traditionen, ihr Gefüge und ihre Denkmäler, ähnlich wie vandalismus und Pyromanie." Dieser Auslegung der Kleptomanie entspricht ein Beitrag in der "Welt", in dem Chefs von Nobelrestaurants, Geschäftsführerinnen elitärerer Boutiquen, exquisiter Parfümerien, Frisiersallons und Hotel klagen, das ausgerechnet "die Damen der gesellschaft" immer mehr stehlen. Vom Seifenspender bis zum Testflakon, vom Desiger - Salzstreuer bis zum Hotel - Bademantel, nichts sei vor den gepflegten, manikürten Langfindern sicher. "Es herscht eine wachsende Charakterlosigkeit, ein wachsender Egoismus unter den sogenannten Society Ladys" heißt es in dem Artikel.
Das Luxus - Kaufhaus Macys begegnet der zunehmenden Kleptomanie der VIP's damit, dass die ertappten Damen in eine Lounge gebeten wrrden und die Chance haben, die geklaute Ware zum fünffachen Preis zu kaufen. Ansonsten gibt es eine Anzeige. Das Öffentlich machen des Diebstahls, der vielleicht etwas ersetzen sollte, was einmal genommen oder vorenthalten wurde, bedeutet einen neuerlichen Verlust an Sicherheit, Anerkennung, Wahrnehmung und Zuwendung. Dadurch werden weitere Diebstähle fällig, die das Loch in der Seele aber auch nicht stopfen können. Vielleicht sollten die klauenden Promi - damen weiniger Stunden in Society - Veranstaltungen und mehr Zeit in heilsame Therapien investieren ...
denn verlässigt worden sein, ist ein Verhalten, für das Eltern Verantwortlich sind. Als Klempomanin auf Erlebtes zu reagieren, ist eine freie Entscheidung des Kindes. Kinder können sich imaginäre oder/ und reale Ersatzeltern für sich suchen. Das Erwachsen gewordene Kind hätte das vernachlässigte Kind in sich auch rechtzeitig (vor der Straftat) zur Heilung bringen können. kursiv geschriebenes wurde eingefügt von Fenia