Marken - Sex

Marken - Sex: Wer sich für etwas Besseres hält, sucht Marken - Partner, die ihn auszeichnen können ... 

von Prof. Dr. Gerti Sänger erschienen auf krone.at mai 2011

Also wirklich, eine ganz normale Beziehung kommt für Elisabeth nicht in Frage. Ihre Partner gehören durchwegs zur Seitenblicke - Prominenz. Ein hoffnungsfroher Jung - Politiker war ebenso darunter wie ein vielversprechender Musical - Sänger und ein graumelierter Manager, der es fasst geschafft hätte, als "Mann des Jahres" auf die Titelseite eines Magazins zu kommen.

Wenn Elisabeth einen Mann kennenlernt, googelt sie ihn sofort. Kommt dabei nichts raus, verliert sie das Interesse an ihm. Er bietet nichts außergewöhnliches und kann daher ihrem Leben nicht Label - Qualität verleihen.

Besonders nahe war Elisabeth ihrem Lebensideal, als sich ein Herr "von" und "zu" für sie interessierte. Er hatte eine Jagdhütte und den unnachahmlichen Understatementstil Adeliger. Herr Von und Zu hatte Elisabeth sogar zu seine Mama ins Sommerhaus an einen See im Salzkammergut mitgenommen. Eine zeitlang sah es gut aus für Elisabeth, die inzwischen ihre Visitenkarten mit Elisa - Maria ein bissschen aufgetunt und sich einige Lodenjacken zugelegt hatte. Aber dann verliebte sich Herr Von und Zu in eine weitschichtig verwandte Cousine mit einem wirklich poetischen Vornamen, und Elisa - Maria brachte ihre Lodenjacken auf den Flohmarkt. Zurzeit ist sie mit einem DDr., der noch dazu Apnoetauchen kann, glücklich.

Sein sexueles Talent ist bescheiden, aber sie soll erregbarer als andere Frauen sein

Friedrichs Freundinnen sind immer sehr attraktiv, sehr jung, sehr langbeinig und sehr blond. Obwohl er schon satte Fünfzig ist, will er nichts von einer Ehe und schon gar nichts von Kindern wissen. Friedrich hat anderes zu bieten: Kurzurlaube in Fünf Sterne Hotels, Essen in Haubenlokalen und exklusive Geschenke.

Die jeweilige Schönheit an seiner Seite soll unkompliziert sein. Nur keine Probleme! Kaum macht eine "Schwierigkeiten", hat sie schon ausgespielt. Friedrich erträgt nur eine Frau, die ihm das Leben verschönt, besser aussieht als die Frauen seiner Freunde und trotz seines äußerst bescheidenen Sexuellen Talents erregbarer als normale Frauen ist.

Narzisstische - selbstverliebte - Menschen wie Elisabeth und Friedrich halten sich für Ausnahmewesen, denen Besseres zusteht als allen anderen. Einerseits ist ihr Selbstbild wie ein Airbag aufgebäht, andereseits sind sie davon abhängig, sich dieses überhöhte Bild dauernd zu bestätigen: "Wo ist eine Überfrau mit Modelfigur? Wo ein Supermann mit Wahnsinns - Karriere?"

Der jeweilige Partner ist für sie nur ein Objekt, das dazu dient, das brüchige Selbstwertgefühl eines Narzissten zu stabilisieren und den heiß ersehnten und dringend benötigten Rückstrahleffekt zu ermöglichen. Als eigenständiges Wesen wird der Partner nicht wahrgenommen, also darf er auch keine eigenen Ansprüche haben. Außer solchen natürlich, die wiederum den eigenen Bedürfnissen zu gute kommen.

Wenn Sie Glück im Sinne von Geben und Nehmen suchen, sollten Sie um narzisstische Menschen einen großen Bogen machen. Sie tun der Seele nicht gut und werden immer anspruchsvoller, je älter und glanzloser sie selber werden ...

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