Fauler Zauber Fügsamkeit
Fauler Zauber Fügsamkeit von Prof. Dr. Gerti Senger
Wer nicht sagt, was er meint, manipuliert und verhindert oft von hinten herum ...
Mitunter macht man eine erstaunliche Erfahrung: Ausgerechnet die fügsamen Menschen werden seltsam unagenehm. Dorothea bietet sich an, am Wochenende eine Kollegin im Auto mitzunhemen. Hin und zurück macht das 168 Kilometer. Die Kollegin beteiligte sich nie an den Benzinkosten, Dorothea sagte nichts (und vermag zeitgleich nicht zu sich selbst, Ihrer Einladung und ihrem Geschenk stehen). Aus Ärger über (sich selbst) und das (scheinbare) Ausgenutzt werden (durch die Kollegin) speist sie jetzt die Kollegin immer mit neuen Ausreden ab, warum sie (nicht mehr mitgenommen wird) nicht mehr mitfahren kann.
Dorothea schafft es nicht, etwas deutlich zu sagen.
Einmal wollte Christian von ihr wissen, ob sie seine deftigen Worte beim Sex irritieren. Ihre Antwort war so unbestimmt, dass er sich nicht auskannte: "Es ist schon irgendwie aufregend für mich. Aber vielleicht möchte ich es eher nicht, wenn du sehr direkt bist. Glaube ich fast. Das heißt natürlich nicht, dass ich das nicht auch sehr erregend finde."
Auch Markus sagt nie, was er wirklich will. Es gibt kein Ja, kein Nein, immer nur ein jein. Unlängst reservierte Franziska für beide die Teilnahme an einer Bildungsreise in den Osten. Markus ließ anklingen, das er "Bildungsurlaube eigentlich nicht mag". Als Franziska nachhakte, relativierte er sofort alles: "Es ist oaky. So etwas kann ja auch interesant werden."
Warum passt der Zeitpunkt miteinander zu schlafen nie?
Nicht zu sagen, was man meint, ist häufig auch passive Aggression, eine subtile Form der feindseeligkeit. Ulrich kann sich nicht erklären, warum für Klara der zeitpunkt, miteinander zu schlafen, nie passt. Einmal sagte sie "Nicht jetzt! Warum musst du so eine schöne Stimmung zerstören?" Ein anderes Mal weist sie ihn mit den Worten zurück: "Die Stimmung ist nicht gut." Dann wieder spielt sie den ball an Ulrich zurück: "Magst Du jetzt wirklich?"
Klara ist eine passiv - agressive Frau. Ursprünglich wurde der Ausdruck "Passiv - aggresiv" für "ungehorsame" Soldaten verwendet. Sie protestierten gegen militärische Befehle, indem sie Anordnungen nicht genau ausführten oder absichtlich missverstanden.
Im Gegensatz zu den wirklich machtlosen Soldaten halten sich viele Partner nur für machtlos und versuchen dann durch Manipulation ihrer Position zu stärken. Die Beziehung wird als Machtkampf erlebt, in dem die Angst vor Abhängigkeit oder Unterlegenheit und das eigene passiv- aggressive Verhalten ausgeglichen wird.
Gemeinsam ist den passiv - aggresiven Menschen und den Partnern mit einem unbestimmten Sprachstil das Verhindern, Verzögern, das Ausweichen vor Veranwortung und das sich - nicht - festlegen. Anstatt einem passive Aggresiven immer wieder den Strick zu reichen, an dem er Sie aufhängen will, könnten Sie ihn dazu ermuntern, mehr Verantwortung für sein Tun zu übernhmen und sich im offenen Widerstand zu üben. Auf Dauer wird damit jedenfalls eine bessere Stimmung geschaffen als mit dem faulen Zauber falscher Fügsamkeit ...
(Einfügungen von Gunnhild Fenia Tegenthoff)