die "Muttierung"

Die "Muttierung" von Prof. Dr. Gerti Senger, abgedruckt auf krone.at am 11.9.2011

Schwanger sein gehört zur neuen Weiblichkeit. Aber leider sind damit oft Intimitätsverlust und Fortpflanzungsterror verbunden ...

"Wir brauchen Kinder", sagt uns die Demografische Vernunft. "Kinder sind kostbar", signalisieren Szene - Frauen und posieren mit Ihren Ablegern. "Mit Kindern gehört man zur Jugend", behaupten reife Männer und wollen es mit einer fruchtbaren jungen Partnerin noch einmal wissen. "Kinder sind gut für die Weiblichkeit", beteuern präklimakterische Frauen und bekommen mit Hilfe der Horminmedizin Zwillinge. Und von allen Seiten schallt ein Dauerchor: "So schön war schwanger sein noch nie."

Die Zeit vor der Geburt ist ein Schaulaufen rund um die Mutterschaft. Mit hautengen Tops wird das Wunder des lebens vorgeführt, oder das pralle Bäuchlein blinkt überhaupt pudelnackert. Frauen, die sich die Freiheit nehmen, ihre Fruchtbarkeit nicht zu nutzen, müssen mit Missfallenskundgebungen rechnen: Was ist los mit Dir? Bist du nicht glücklich? Keine richtige Frau? Hast du keinen Mut?

Die fitten, schlanken und entspannten Vorzeigemuttis suggerrieren: "Kinderhaben ist cool. Aber wie eine Mutti ausschaut, ist uncoll." Es kann also nur persönliches Versagen sein, wenn Haushalt, Beziehung, beruf und Kind dem Aussehen und den Nerven zusetzen. Kinder und Karriere lassen sich doch ganz zwanglos verbinden, oder? Oder eben nicht.

Kinder haben ist etwas anderes als Kinder in die Welt zu setzen. Schließlich hat nicht jede berufstätige Mutter genügend qualifiziertes Betreuungspersonal, dem sie ihre Sprösslimge anvertrauen und sich beruhigt ihrer Karriere oder einer sexuell erfüllten Freizeit mit dem Kindesvater zuwenden kann. In bezauberten Filmen sieht man, wie sich Mutti und Papi die Kleiuder vom Leib reißen, kaum dass der Sprößling außer Sichtweite ist. Jeder, der Kinder hat, weiß, dass die Wirklichkeit anders aussieht.

Kinder forderten den totalen Einsatz. Es gibt Stress im Beruf, Arbeit im Haushalt und womöglich pflegebedürftigen Großeltern. Das zehrt an den Kräften. Da die Macht eines Kindes stärker ist als ehelicher Sex, werden hier Abstriche gemacht: keine Musse für intime Gespräche. Keine Zeit für sinnliche Liebesnachmittage. Keine Kraft für Spontansex.

Mutti vergisst nicht nur auf Papi, sondern auch auf sich selbst (z.B. als sexuelles Wesen). Kaum ist Ruhe im mHaus, nickt Mutti erschöpfgt ein. Nach dem abendlichen herumbalgen und Vorlesen kann auch der coollste Papi nicht mehr genügend Geilheit zusammenkratzen, um den elterlichen Sex online zu halten.

Wenn ein Liebespaar nur noch Eltern sind, entwickeln Mutti und Papi isolierte Beziehungen zum Kind, rivalisieren u.U. miteinander und buhlen u.U. um die Gunst des Kidnes. Trotz bester Absichten überfordern sie den vergötterten Sprössling, indem sie ihn als jeweiliegn ersatzpartner emotional missbrauchen oder in eine Vermittlerrolle drängen.

Dass Kinder dem leben Sinn geben, bestreite ich nicht. Aber die selbstverliebte Inszenierung der Mutterschaft beweist nicht eine neue Zwanglosigkeit, sondern den verlust echter Freiheit und des Gefühls für echte Intimität ...

siehe auch Marken - Sex.

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