Das gehört mir!

Mag. Monika Salzer, Pfarrerin in der evang. Kirche in Österrerich - Diözese A.B. Wien www.evang-wien.at

sagte in einem Gespräch mit Krone am 29.1.2012 über

Das gehört mir!

Der Vater ist gestorben und hat kein Testament hinterlassen. Nach dem ersten Schock der Trauer stellt sich allen vier Kindern die Frage: Wer hat was geerbt? Was gehört mir? Wenige Familien können diese Sizuation so gut bewältigen, dass sich alle gerecht behandelt fühlen. Denn was mir gehört, was ich habe, sagt etwas über meinen Wert aus, schon lange in der Geschichte der Menschheit.

Wenn ich auf einer einsamen Insel wäre, würde mir die ganze Insel gehören. Dann ist es egal, ob mir alles gehört oder nichts. Das Eigentum ist somit nur dan interessant, wenn es andere gibt. In bezug auf die Freundin erlebe ich mich arm oder reich, im Vergleich zu meinen Kollegen, im Vergleich. Wenn kein Wettbewerb da ist, weder materiell noch in der Seele, ist großes Eigentum egal.

Das ist nicht ganz unwichtig zu wissen. Je weniger ich mich wert fühle, desto mehr muss ich meine Person aufmöbeln, ja richtig, Designermöbel kaufen, Autos kaufen, Häuser kaufen und was immer kaufbar ist erwerben.

Menschen sind dann so viel wert wie sie haben, in unserer Kultur. Das ist zwar ein bischen primitiv, aber so ist es. Die Psychologie des Eigentums hat was damit zu tun, dass das Eigentum die Unsicherheit der Existenz stärkt, es macht stark. Wenn ich schon ein Wurm bin, bin ich wenigstens ein reicher Wurm. Dass ich ein Wurm bin, sehen die anderen ja nicht.

Die mystischen Bewegungen aller religionen haben ein kritisches Verhältnis zum Eigentum. Denn die weisen Frauen und Männer wussten: Groß wird man nicht nach außen, sondern nach innen.

Es ist kein Zufall, das ich geschaffen wurde

Heute hat das Kaufen die Mystik abgelöst. "Die Schuhe", sagt die Besitzerin des Schuhgeschäftes, "werden mich glücklich machen." Kaufen füllt das leere Loch, aus dem die Angst kommt. Schnell ein paar Sachen, und es geht mir schon besser. Kaufen soll auch angeblich trösten. Ich weiß nicht.

Gut wäre es, wieder das zu finden, was satt macht, Bestand hat, auf Dauer. Der Mystische Weg geht vom Staunen über das Wunder der Schöpfung zu sich selbst.

Natürlich tauchen da Fragen auf: Wer bin ich? Bin ich gut genug? Bin ich geliebt und beliebt? Kann ich lieben oder will ich geliebt werden? Die neuen Schuhe werden diese Frage nicht neantworten. Auch weitere neue Schuhe nicht. Sich in einen guten Gedanken zu versenken würde da schon Antworten bringen. Zum Beispiel in den, dass es keine Menschen wie mich auf der ganzen Erde gibt und dass es absolut kein Zufall ist, dass ich geschaffen wurde, einmalig und einzigartig. Eiun schöner Gedanke. Und dass ich etwas bekommen habe, um es weiterzugeben.

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