Vergeben = Verzeihen
krone.at vom 17.4.2011 von Susanne Zita
Wer vergeben kann, lebt besser! Warum das lesen sie hier!
Eine versöhnliche Haltung wirkt sich befreiend auf Körper und Seele aus. Das erscheint nicht weiter verwunderlich. Aber man staunt nicht schlecht, erfährt man, wie überaus positiv ihr Effekt auf die Gesundheit ist. Es lohnt sich! Denn verschiedene Studien der noch jungen Vergebensforschung belegen, dass sie blutdruck und Pulsschlag sowie den Spiegel des Stresshormons Kortisol im Blut senkt. Weiters reduziert sie Muskelverspannungen und Stresssymptome wie Kopf- und Magenschmerzen, Schlafstörungen und Schwindel. Jene Menschen, die verzeiehen können, klagen über weniger Gesundheitsbeschwerden als jene, die nachtragend sind.
Besonders interessant das Ergebnis der bisher größten Untersuchung zum Thema Vergeben. Der Psychologe Frederic Luskin und seine Kollegen an der kalifornischen Stanford Universität wählten dafür 260 Teilnehmer aus, die allesamt aus verschiedenen Gründen verbittert oder gekränkt waren. Sie erhieöeten eineinhalb Monate lang je 90 Minuten "Vergebungsunterricht" pro Woche. Das Resultat: Ihre seelsiche und körperliche Verfassung verbesserte sich nachhaltig. Männer und Frauen fühlten sich auch noch Monate nach dem Kurs vitaler und Optimistischer.
Alles vergeben und vergessen? Eine versöhnliche Haltung bedeudet nicht, unrechtes Verhalten zu entschuldigen oder gut zu heißen, sondern emotionalen Abstand zu gewinnen. Einen Freibrief für Wiederholung stellt man mit Vergebung nicht aus. Zugegeben, das Verzeihen ist eine hohe Kunst, konstruktiv Konflikte zu lösen und in einem gewissen Ausmaß auch tolerant zu sein. Man sollte dabei nicht nur anderen, sondern auch sich selbst gegenüber nachsichtig sein. Sich annehmen, wie man ist, mit all seinen Fehlern und Schwächen. Wer es kann, hat die besten Vorraussetzungen, auch anderen ihre Fehler und verzichtsbare Eigenschaften zu verzeihen. Fühlt man sich schnell verletzt, dann ist dies mit hoher Wahrscheinlichkeit auf ein geringes Selbstwertgefühl zurückzuführen.
Jene Menschen sollten daran arbeiten, ihre Selbstachtung zu stärken und Grenzen setzen zu lernen. Neigt man dazu, lange Zeit immer wieder über eine erlebte Kränkung zu grübeln und sich damit immer wieder selbst zu verletzten, dann wäre es für das eigene Wohlbefinden besonders von Bedeutung, loslassen und verzeihen zu können. Nicht nur oberflächlich vom Kopf her versöhnen ist wichtig, sondern von Herzen. Nur wer aus tiefem Herzen vergeben kann, bei dem wirkt auch die Gesundheitsformel des verzeihens.
Doch nicht alles, was uns widerfährt, lässt sich vergeben. Ob und was wir verzeihen können, ist von Person zu Person verschieden und hängt gerade auch davon ab, wie sehr unser Innerstes getroffen wurde. Dauerndes Grübeln, ständige Aufgeregtheit und Sprachlosigkeit können Anzeichen einer postraumatischen Belastungsstörung sein. Professionelle Hilfe ist in solchen Extremfällen unerlässlich.
