Sarah Amelie & Sternchen
eingetragen am 6.12.2007 von Michaela
E-Mail: michaela.bilek(at)chello.at
Homepage: www.meinewebseite.net/saraamelie
Ort: wien
Meine liebe Sara meine lieben Sternchen!
Über 3 Jahre ist es her dass Du kleine Sara nur 16 Tage nach Deiner Geburt aus unserem Leben gerissen wurdest. Du wärst jetzt 3 Jahre alt, ein süsses kleines Mädchen mit süsser Stimme und Zöpfen. Ja so stell ich mir Dich vor. Aus dem kleinen Baby ist ein Kleinkind geworden, und so wünsche ich mir noch immer so oft dass Du hier bei uns sein könntest. Hier mit Deinen Brüdern spielen könntest. Mich auch mal nerven könntest ;-) Meine kleine Hexe so hab ich Dich schon in der Schwangerschaft genannt. Und wie passend das ist wird mir jetzt erst manchmal bewusst. Denn so wie man Hexen Zauberkünste nachsagt so sehr hast Du unser leben verzaubert, verändert, Fäden geknüpft. Uns gezeigt was wichtig ist, WER wichtig ist, wahre Freunde erkennen lassen.
Wir lieben Dich!
Unser erstes Sternchen: Auch Dich vermissen wir. Du warst unsere erste Hoffnung unser erster Draht zum Leben nach dem Tod Deiner Schwester. Doch Du gingst wieder. In der 7.SSW haben wir Dich verloren. Wir vermissen und lieben auch Dich.
Unser zweites Sternchen: Im April diesen Jahres erfuhren wir, dass ich schwanger bin. Du solltest am 23.12. geboren werden. Unser Christkindl was konnte da schiefgehen?
Am 31.5. erfuhren wir dass dein Herz nicht mehr schlägt, wahrscheinlich schon 2 Wochen. Du wurdest mit einer Ausschabung aus mir heraus geholt. Diese Leere danach war schrecklich, der Schmerz so gross. Wir haben erreicht dass Du am Zentralfriedhof bestattet wirst und wir waren dabei. Das war so wichtig.
Wir lieben und vermissen Euch!
Mama, Papa, und die Brüder Tobias und Niclas
----- Original Message -----
From: Verein Sonnenstrahl
To: Michaela
Sent: Friday, December 07, 2007 2:39 PM
Subject: AW: Neuer Kondolenzbuch-Eintrag
Hallo, Liebe Frau Michaela Bilek,
Ich freue mich für Sie, das es Ihnen gelang, ihr Sternchen nach einer Küretage zur Bestattung zu bringen - lag das an der Klinik oder an ihrem großen Einsatz? Etwa 80% aller Kinderleichen nach medizinischen Eingriffen (wozu Küretage, Schwangerschaftsabbruch, Eileiterschangerschaft, nicht ausgetragene IVF gezeugte Kindes ec. dazugehören) werden dzt in Wien nicht im Beisein der Angehörigen zur Beerdigung gebracht.
Einladen möchte ich zur Teilnahme an der weltweiten Gedenkfeier, welche am kommenden Sonntag stattfindet. Aus diesem Anlass habe ich eine Gedenkfeier am Wiener Zentralfriedhof nahe Tor 3 organisiert - von 14 - 17 Uhr - welche heuer zum 3 mal (übermorgen) stattfinden wird.
Liebe Grüße und viel Stärke - von einer Mutti, deren Kinder 1976, 1979 und 1987 (Muttertag) starben
Gunnhild Fenia Tegenthoff
Verein Sonnenstrahl, A 1020 Wien, Schüttelstr. 5/1/EG/2, ZVR: 102938320 www.sonnenstrahl.org, www.sternenkind.info
Von: m.bilek <michaela.bilek(at)chello.at>
An: Verein Sonnenstrahl <verein_sonnenstrahl(at)yahoo.de>
Gesendet: Freitag, den 7. Dezember 2007, 15:27:15 Uhr
Betreff: Re: Neuer Kondolenzbuch-Eintrag?
Hallo!
Ich glaube es war v.a. unser Einsatz dass wir unser Sternchen bei der Sammelbestattung dabei hatten. Im KH (Semmelweis Klinik) sagte mir mein Frauenarzt dass dies nicht möglich sei. Im Laufe des Sommers kam ich durch Zufall auf den Gesetzestext bzgl. fehlgeborener Kinder in Wien und die Bestattungsordnung. Dies war meiner Meinung nach Grund genug weiter zu forschen wo unser Kind abgeblieben ist. Ich kontaktierte den Amtsrat (Zentralfriedhof) der mir sagte dass es nicht dabei sei. Daraufhin haben wir in der Semmelweis Klinik angerufen, auf den Rückruf warten wir noch immer ;-)
Schliesslich rief ich dort an wo der histologische Befund des Ausschabungsmaterials her war. Dort war ein sehr netter Pathologe (Rudolfstiftung) der uns sagte er wird nachschauen. Tatsächlich war unser Baby noch dort. Zuerst meinte er, es kann sein dass das Baby bei der Untersuchung aufgebraucht worden ist. Ein schrecklicher Gedanke aber bei 18mm Scheitel Steiss Länge durchaus nachvollziehbar. Er schickte dann unser Baby gleich weiter und 2 Tage später wurde es bei der Sammelbestattung beigesetzt. Es war schön und wichtig und der Start in einen Neubeginn.
Zu gern würde ich bei der Feier dabei sein, aber es ist mir zu Zeit leider nicht möglich. Ich bin in der 13.SSW und leider gibt es auch diesmal sehr grosse Schwierigkeiten. Ich habe ein riesen Hämatom neben der Fruchthöhle und das Leben unseres Kindes hängt am seidenen Faden. Das heisst Liegen, Liegen, Liegen.
Aber ich werde wie jeden 2. Adventsonntag Kerzen anzünden.
MFG Michaela
From: Verein Sonnenstrahl
To: m.bilek
Sent: Friday, December 07, 2007 9:23 PM
Subject: AW: Neuer Kondolenzbuch-Eintrag
Hallo, liebe Mutti,
wegen der Internettechnik - ich bin immer wieder erstaunt darüber, was alles an unsinnigen Dingen das System zurückmelden im Stande ist.
heute habe ich mir in aller Ruhe ihre HP durchgelesen - schrecklich, was Sie alles erleben haben müssen.
zwei meiner Kinder starben im Mutterleib - und mein drittes Kind starb in der Wohnung, als ich nicht zu Hause war, sondern mit der Beerdigung und dem Nachlassregelung meines Großvaters beschäftigt war. Das heißt: mir blieb erspart die Befragung durch die Polizei, ich bekam auch nicht mit, wie der Totenbeschauarzt in der Wohnung war - ich habe auch nicht erlebt, wie der Leichnam unseres Kindes in einen Blechsarg gelegt wurde....
Noch heute bin ich jenem Pathologen über alles Dankbar, der vor der Obduktion anrief und mich fragte, welche Fragen mir zu beantworten wichtig sind. Ich bekam unseren Sohn als gesund entbunden nach Hause und ich hatte von Anbeginn an das Gefühl und die Wahrnehung, das dem nicht die Wahrheit ist, das unser Kind (schwer) Herzkrank zur Welt gekommen ist. Was der untersuchende Kinderarzt in der Klinik mir und dem Kind absprach. Bei der Obduktion wurde festgestellt, das ich mit meinem mütterlichen Gefühl recht hatte: unser Kind hatte einen inoperatablen Herzfehler (zusammengedrehte Herzspitze, sein Herz hätte sich nie entfalten können). Ich war auf Christopher Marvin schwanger,als der Atommeiler Tschernobyl hochging. Viele Kinder kamen damals mit einem Herzfehler zur welt...
Allerdings ist mein Sohn nicht an seinem Herzfehler gestorben....
Zu Ihrer HP - ich war frech: ich habe mir Ihren Satz abgekupfert und ein bisserl ergänzt und habe in wie folgt in meine HP eingefügt - ich hoffe, dass für Sie das in Ordnung geht.
"Wir fanden auf einer anderen Homepage die Idee Luftballone steigen zu lassen, setzen uns mit der Firma Baborek in Wien in Verbindung und bestellten Luftballons, die mit dem Foto von Sara und ihrem Namen bedruckt waren. Diese Luftballons liefert die Firma direkt zum Friedhof, bläst sie dort auf und verteilt sie an die Trauergäste..." berichtet die Mutter von mehreren verstorbenen Kindern auf Ihrer HP www.meinewebseite.net/saraamelie
Steter Tropfen hölt den Stein:
Um zukünftigen Eltern hoffnung zu geben, das persönlicher einsatz sich wirklich lohnt, würde ich gerne ihr Erlebnis, was sie mir mitgeteilt haben, zur Öffentlichkeitsarbeit verwenden - aber nur wenn es Ihnen wirklich recht ist.
Denn steter Tropfen hölt den Stein, das heißt: je häufiger es Angehörigen gelingt, ihr als Organabfall definiertes Kindleichnahm zu Beerdigung in Ihrem Beisein zu bringen - wird das Klinikgesetz früher oder später brechen. Ich meine jenes Gesetz, das im moment noch dafür sorgt, das die Kinderleichen, die auf Grund eines medizinischen Eingriffes den Mutterleib verlassen, umgehend als Organabfall definiert werden und daher beim Klinikabfall landen.
Für Ihr dzt. ungeborenes Kind wünsche ich Ihnen Gottes reichsten Segen. Ein Hämatom - das heißt: sie erleiden leicht innere Blutungen - vielleicht Gerinnungsstörungen... mein Körper reagiert ähnlich: meinen überlebenden Kindern mußte ich abgewöhnen, bei mir im Bett zu liegen, denn ich wurde am nächsten tag "blaugeschlagen" wach, so rasch hat mein Körper blaue Flecke bekommen. Allerdings bin ich medizinischen diesbezüglich nicht intensiver nachgegangen,....
Ich war heute bei der Sammelbeerdigung am Wiener Zentralfriedhof: 31 Angehörige haben Ihre Kinder begleitet - bei 70 -90 Kinder, welche heute auf einmal beerdigt wurden. Ich deute das als Indiz dafür, das die Kommunikation im Vorfeld nicht in Ordnung ist - denn das nur so wenig Eltern zum Begräbnis ihres Kindes kommen möchten, wenn Sie den Ort und Termin des Begräbnisses wüßten, kann ich mir nicht vorstellen.
Wegen der Dezemberfeier wollte ich Sie noch auf einen gedanklichen Fehler (dem ich zu Beginn selbst auch aufgesessen bin). Die Dezemberfeier findet weltweit an jedem 2. Sonntag im Dezember statt. Ab und zu fällt es mit dem 2. Adventsonntag zusammen - aber eben nicht immer.
Zu Hause bleiben und Kerzen anzünden ist genausogut. Laut amerikanischen Untersuchungen entzünden etwa 50% aller TeilnehmerInnen zu Hause ihre Kerzen. Sie befinden sich demnach in guter Gesellschaft, wenn sie an diesem Tag zu Hause ihre Kerzen anzünden - insbesondere, wenn die Kerzen zwischen 19 - 20 Uhr brennen. Je Zeitzone geht dann an diesem Tag ein Lichterband rund um den Erdenball - mich hat sehr postiv berührt, als 2006 mich die Information erreichte, das zwischen 1,5 - 2 Millionen Kerzen aus diesem Anlass entzündet worden sind von Angehörigen...
Wir sind mit unserem schrecklichen, schmerzhaften, grauenhaften Schicksal nicht allein....
LG
Gunnhild Fenia Tegenthoff (Ich warte auf Ihre Textfreigabe!)
gesendet am 8.12.2007
Hallo!
Es tut mir sehr leid was sie erleben mussten.
Trotzdem es sehr schwer war für mich die Stunden nach Saras Tod zu überstehen (mit Polizei, Leichenbeschauarzt usw.) weiss ich doch dass es für mich sehr wichtig war. Wahrscheinlich für jede Mutter und für jeden Vater wichtig wäre diese letzten Stunden mit dem Baby zu Hause zu haben. Insbesondere dass ich Sara selbst in den Sarg legen konnte (und ich glaube sie können sich vorstellen wie schwer das war) war wichtig und richtig für mich.
Der Pathologe der Sara obduziert hatte war im Grossen und Ganzen sehr nett. Nach der Beerdigung nahm er sich Zeit für unsere Fragen. Mittlerweile habe ich auch den Obduktionsbericht angefordert (es hat 2 Jahre gedauert bis ich die Kraft dazu fand). Schrecklich zu lesen aber doch gibt die genaue Beschreibung auch ein Bild von unserem kleinen Mädchen. Und wie bei allen Sterneneltern (zumindest denke ich das) gibt es Momente in denen ich mir ganz bewusst die Zeit nehme "in ihrem Leben zu stöbern". Die Schachtel mit der Aufschrift " Sachen von unserer kleinen Hexe" aus dem Abstellraum hole und die kleinen Strampler an mein Herz drücke die Augen geschlossen und verzweifelt nach ihrem Geruch suche. Und dann eben auch die wenigen Dokumente die ihr Leben bezeugen durchlese.
Dass ihr Christopher sterben musste ist ganz schlimm, dass sie ein Gefühl hatten denke ich ist das was man mütterliche Intuition nennt. Wir Mütter sollten uns darauf verlassen....
Was ich in unserer Gesellschaft so schlimm finde ist dass unsere toten Kinder nicht nur körperlich tot sind sondern auch totgeschwiegen werden. In unseren Familien (sowohl in der meines Mannes als auch in meiner) sind unsere toten Kinder nichts über das man redet. Wie sehr würde ich mir wünschen dass jemand uns anruft an Saras Geburtstag, an Saras Todestag, zum Jahrestag der Fehlgeburten und fragt wie es uns geht. Insofern war ich tief beeindruckt als ich bei der Trauerfeier Anfang September auch Grosseltern dort sah. Vielleicht auch verletzt darüber dass das bei uns nicht so ist.
Und vielleicht sollte man selbst auch den Mut haben mehr darüber zu sprechen, unsere Kinder nicht der Vergessenheit preisgeben. Wie oft hätte ich Leuten (und selbst Verwandten die von Sara wussten) die meinten: Na jetzt fehlt euch noch ein Mädchen! oder : Na macht ja nichts dass es jetzt der zweite Bub ist ein Mädchen wäre aber besser gewesen oder? Ins Gesicht geschrieen, wie dumm sie eigentlich sind. Wie ignorant und verletzend sie sind und unbedacht. Aber man tut nichts und vielleicht ist genau dieses Schweigen der falsche Weg. Der Grund für das Schweigen ist wahrscheinlich der, dass man als Kind dazu angehalten wird dass man es akzeptieren muss.
Oft mussten wir auch Anfeindungen über uns ergehen lassen. Meine eigene Mutter meinte z.B. nach der Fehlgeburt im Juni (Op war ja am 1.6.) dass ich jetzt nicht mehr schwanger werden soll, weil ich das meinem Grossen nicht antun kann. Keine Frage wie es mir geht, kein Mitgefühl. Im Gegenteil: dass ich das geplante Omawochenende absagte, weil in mir allen sagte, dass ich jetzt alle bei mir haben will - verstand sie nicht.
Ich denke aber dass ich, indem ich meine Kinder in die Trauer einbeziehe, einen wertvollen Teil dazu leiste, so dass die kommende Generation vielleicht anders mit diesem Thema umgehen wird. Mein Grosser ist keinesfalls psychisch geschädigt. Im Gegenteil, er hat eine so offene Umgangsweise mit dem Tod. Eine gesunde wie ich meine. Er bindet Sara (und er war erst 3) in seine Gedanken ein. Fragt auch nach, wann er wieder mit zum Friedhof kann und freut sich wenn er ihr ein Geschenk bringen kann.
Natürlich können sie alle Texte verwenden!!
Dazu muss ich ich Ihnen noch mitteilen dass der Pathologe der Rudolfstiftung meinte dass das "Abortmaterial" so lang aufgehoben wird bis sich jemand meldet, der es bestattet haben will. Wie lang tatsächlich weiss ich natürlich nicht, aber bei uns waren immerhin 3 Monate vergangen. Ich denke Öffentlichkeitsarbeit ist in diesem Bereich so wichtig. Vielleicht dürfen wir eine Gesellschaft erleben in der sich vieles diebzgl ändert!
Ich für meinen Teil werde bei der nächsten Gelegenheit meine Frauenarzt darüber aufklären dass eine Bestattung durchaus möglich ist, vielleicht hilft es anderen Frauen.
Stimmt, es ist natürlich der 2. Dezembersonntag. Unsere Kerzen werden brennen und ich versuche heute noch, soviele wie möglich daran zu erinnern wie ich es jedes Jahr mache!
Danke für ihre guten Wünsche für unser Baby. Sie sind jetzt die zweite die mich auf das Thema Gerinnungsstörung bringt. Wahrscheinlich sollte ich das mal untersuchen lassen. Zur Vorgeschichte würde es ja passen.
MFG Michaela Bilek