Christine Malvina

Ich bin die viert geborene von noch sieben lebenden Kindern. Als ich fünf Jahre alt war, hatte ich noch eine kleine Schwester Namens Christine Malvina. Sie war sechs Wochen alt. Meine Mutter sagte damals zu mir: "Du bist doch schon ein großes Mädel! Du paßt heute auf deine Geschwister auf!" Ich war es ohnehin gewohnt, denn wir Kinder waren viel alleine. Sie sagte zu mir des öfteren: "Fläschchen machen und wickeln ist ja nicht schwer!" Sie ging und schloß uns in der Wohnung ein. Also - wir waren wieder einmal alleine. Meine Mutter wußte damals, dass Christine Malvina schwer Herzkrank war. Als Christine zu schreien begann, nahm ich sie aus ihrem Bettchen, legte sie auf´s Ehebett, und wickelte sie. Danach gab ich ihr das Fläschen. Sie lag in meinem Arm. Auf einmal lief sie blau an, schnappte nach Luft wie ein Fisch, den man aus dem Wasser zieht, und sie verstarb in meinen Armen. Ich schrie und konnte nicht mehr aufhören. Das steckte auch die anderen überlebenden Geschwister an. Die Nachbarn holten die Gendermarie (Polizei). Diese brachen die Wohnung auf und holten uns Überlebende heraus. Wir kamen anschließend in unterschiedliche Heime. Meine Mutter hielt mir Jahrelang den Tod von Christine Malvina vor, gewürzt mit dem Hinweis, dass ich schuld sei am Tod meines Geschwisterchens. Als ich - Jahre später - selbst Kinder hatte, hatte ich immer Angst, dass mir wiederum ein Kind in meinen Armen versterben könnte.

Das habe ich nicht wieder erleben müssen, das ein Kind in meinem Armen stirbt - aber von 9 begonnenen Schwangerschaften endeten 4 mit jeweils einem still geborenen Kind. Elfi

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