Die spontane kleine Geburt
Die spontane kleine Geburt
20 Kinder wurden zwischen der 5. und 14. Schwangerschaftswoche durch eine spontane kleine Geburt geboren.
Die überwiegende Mehrzahl der Frauen musste ihre Kinder in der sehr frühen Schwangerschaft (um die 6. SSW) wieder gehen lassen.
Zwei Frauen hatten während der Geburt sehr starke Krämpfe und/oder Blutungen, was in einem Fall zu einer Notoperation führte. Alle anderen kleinen Geburten verliefen ohne Komplikationen. Die Hälfte der Frauen empfand die Geburt als sehr schmerzhaft. Alle anderen gaben an, dass sie die Schmerzen zwar stärker als eine Regelblutung empfanden, aber dass sie auszuhalten waren; wiederum andere hatten nur leichte Schmerzen.
Dabei scheinen in den ersten Wochen die Schmerzen seltener stark zu sein als später in der Schwangerschaft. Elf Frauen gaben an, dass sie sehr viel Blut verloren hatten. Auch das scheint abhängig von der Schwangerschaftswoche zu sein.
Es hat 20 Minuten bis drei Tage gedauert, bis alle Gewebestücke abgegangen waren, der Durchschnitt lag bei etwa einem Tag. Hierbei gibt es anscheinend keinen Zusammenhang zur Schwangerschaftswoche.
Nachblutungen haben zwischen 4 und 21 Tage angehalten, mit einem Durchschnitt von sieben Tagen. Verglichen mit einer normalen Periode empfanden die Frauen die Stärke dieser Blutung sehr unterschiedlich: Bei manchen war sie weniger stark bzw. gleich stark bis stärker als üblich. Meist war die Blutung genauso stark wie eine Regelblutung.
Bei der Nachuntersuchung war die spontane Fehlgeburt in 13 Fällen (65%) als „vollständig“ eingestuft worden. Bei den sieben „unvollständigen Fehlgeburten“ wurde in sechs Fällen noch nachoperiert. Nur in einem Fall wurde abgewartet, ob sich die Reste noch von alleine lösen würden. In allen Fällen verblieben anschließend keine Schwangerschaftsreste mehr in den Gebärmüttern.
Bei einer Frau wurde sogar nach allen drei „complete abortions“ jeweils nachoperiert.
Vier Frauen hatten nach der Geburt noch körperliche Probleme, wie Müdigkeit, Gebärmutterkrämpfe, die Periode kam nicht zurück oder niedrigem Blutdruck mit Schwindel.
Die Hälfte der betroffenen Frauen gab an, nach der spontanen kleinen Geburt seelische Probleme gehabt zu haben. Hierbei handelte es sich um Schuldgefühle, um Trauer und Enttäuschung, um Probleme wegen vorangegangener Totgeburt und der Angst, nie ein lebendes Kind zu haben.
Sechs Frauen haben ihr Kind nach der Geburt gesehen. Drei waren sich nicht sicher, da das Gewebe in die Toilette gefallen war, und sie es nicht mehr genau erkennen konnten. 12 von 15 (80%) Frauen gaben an, dass es für sie jeweils richtig war, das Kind gesehen bzw. nicht gesehen zu haben. Diejenigen, die diese Frage mit „Nein“ beantwortet haben, waren Frauen, die ihre Kinder nicht bzw. nicht richtig gesehen hatten.
Sechs Frauen haben ihr Kind oder sein „Nestchen“ beerdigt. Eine Frau hat es im Kamin verbrannt. Für die meisten Frauen, die ihr Kind nicht gesehen haben, wäre es ein großer Wunsch gewesen, das Kind beerdigen zu können.
Die betroffenen Frauen haben 25 bis 42 Tage auf ihre erste Periode nach der Fehlgeburt gewartet, im Schnitt 31 Tage. Diese war bei neun Frauen genauso wie jede andere Regel. Bei jeweils drei Frauen kam die Periode später und dauerte länger. Weitere Angaben waren: Die Periode war kürzer, stärker, schwächer, schmerzhafter, weniger schmerzhaft als normalerweise.
65% der Frauen sind nach ihrem Verlust wieder schwanger geworden. Bei einigen ging es sehr schnell (innerhalb eines Monats), andere warteten länger (mehrere Jahre), der Durchschnitt lag bei 5 Monaten.
Leider endeten die meisten Folge-Schwangerschaften (62%) wieder mit einem Verlust, davon sieben im ersten Schwangerschaftsdrittel und eine im zweiten.
Fünf Kinder (38%) sind inzwischen gesund geboren worden, ein Kind war zum Zeitpunkt der Umfrage noch unterwegs.
Bemerkenswert ist, dass alle Frauen, die die Frage nach ihrem gewünschten Weg bei einem weiteren frühen Verlust beantwortet haben (11 von 20), sagten, dass sie auf eine kleine Geburt warten würden. Begründungen hierfür waren folgende:
Sie vertrauen ihrem Körper:
- Monika B.: „Es hat das erste Mal funktioniert, wird es also auch das zweite Mal funktionieren. Da vertraue ich meinem Körper. Ich möchte mich dem nicht entziehen.“
- Silke: „Ich würde in jedem Fall eine kleine Geburt abwarten, weil es mir natürlicher erscheint, und weil ich nach dieser Erfahrung mehr Vertrauen in meinen Körper habe und denke, dass er es wieder alleine schaffen würde.“
Sie möchten sich in Ruhe und Würde von ihrem Kind verabschieden:
- Leena: „Ich würde gern meinem Kind den letzten Dienst erweisen nicht aus mir herausgeholt zu werden, sondern geboren zu werden.“
- Antje H.: „Nur dann kann man sich richtig verabschieden.“
Sie denken, es wäre für sie seelisch leichter:
- Ayshe: „Ich würde lieber warten, eine gewisse Zeit, um mich seelisch damit abzufinden, darauf einzustellen, Abschied zu nehmen.“
- Sylvia: „Es ist die sanftere Methode Abschied zu nehmen, mein Mann kann dabei sein. Meine gewohnte Umgebung ist in dem Moment so wichtig.“
- Conny: „Ich würde immer versuchen eine kleine Geburt zu veranlassen, da man einen intensiveren Bezug zum Kind bekommt.“