Die Operation

Die Operation

53 der befragten Frauen haben nach der Diagnose einer Fehlgeburt einen operativen Eingriff vornehmen lassen. Davon sagten 32 Frauen (60%), dass die Operation ihre bewusste Entscheidung gewesen sei, 8 konnten diese Frage nicht eindeutig mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten, „aber sie hätten nichts anderes gewusst“, und 13 gaben an, dass es nicht ihre eigene Entscheidung gewesen sei. Das heißt, dass praktisch für 21 der befragten Frauen die Entscheidung zur Operation von ihren behandelnden Ärzten getroffen wurde. Dazu kommen noch sechs weitere Frauen, die sich nur für eine Operation entschieden haben, weil sie „keine Alternative kannten“. Somit war die Operation bei 55% der Frauen nicht wirklich selbstbestimmt, sondern ihnen standen keine Alternativen zur Verfügung. 

Sechs der 53 Frauen hatten vorher eine spontane kleine Geburt durchlebt und wurden wegen Geweberesten nachoperiert und zwei Frauen ließen sich nach einer erfolglosen abgewarteten kleinen Geburt operieren (vgl. obige Kapitel). Die meisten Frauen (85%) wurden direkt operiert.

Für 60 Prozent der Mütter war es nicht die erste Schwangerschaft gewesen. 42 Prozent hatten zuvor schon ein Kind zur Welt gebracht und 46 Prozent hatten vorher schon mal einen Verlust erlitten.  

Für einen operativen Eingriff sprachen folgende Gründe:

  • Angst vor der kleinen Geburt: erhöhte Infektionsgefahr, Unfruchtbarkeit, Gewebereste, starke Blutungen, starke Schmerzen, Nach-Kürettage;
  • Arzt hatte vor der kleinen Geburt gewarnt;
  • kein totes Kind tragen zu wollen;
  • Angst, Kind an „unpassendem“ Ort zu verlieren;
  • Operation kontrollierbarer/planbarer;
  • starke Blutungen und Schmerzen schon bei Diagnose;
  • sich schnell wieder gesund fühlen wollen;
  • es schnell hinter sich bringen wollen/Neuanfang/Schlussstrich ziehen;
  • psychische Belastung.

In den allermeisten Fällen war eine Ausschabung vorgenommen worden. Fünfmal wurde eine Saugkürettage angewandt und dreimal eine Kombination beider Methoden. Einmal musste wegen Blutes im Bauchraum eine Laparaskopie (Bauchspiegelung) gemacht werden. 

Die Frauen wurden vor der Operation in der Regel über Risiken und Nebenwirkungen der Operation aufgeklärt. Folgende wurden genannt:

  • Verletzungen der Gebärmutter, evtl. Entfernung der Gebärmutter nötig,
  • Verletzung des Muttermundes, Muttermundschwäche,
  • Verletzung angrenzender Organe,
  • Infektionen,
  • Gewebereste, Nachoperation,
  • starke Blutungen,
  • Infertilität,
  • Narkoserisiken.

Die Operationen lagen alle zwischen der 6. und 19. Schwangerschaftswoche, die meisten in der 10. Schwangerschaftswoche.

Obwohl es nur zwei Notfälle gab, wegen sehr starker Blutungen und Schmerzen, die eine schnelle Operation nötig machten, erfolgte die Operation in den meisten Fällen schon einen Tag nach der Fehlgeburtsdiagnose, im Schnitt nach 2 ½ Tagen. Einmal wurde erst nach 14 Tagen operiert, da diese Mutter so lange auf die kleine Geburt gewartet hatte (siehe auch „Die abgewartete kleine Geburt“).

27 Frauen gaben an, dass sie genug Zeit gehabt hätten, sich mit der Situation auseinander zu setzen, 29 Frauen waren froh gewesen, schnell einen Schlussstrich ziehen zu können. Irene erklärt dies so: „Da ich immer direkt einen Tag nach der Diagnose einen Termin zur Ausschabung bekommen habe (ich habe selbst ausdrücklich darum gebeten) lag nie viel Zeit dazwischen. Die kurze Zeit, die da war, habe ich als sehr belastend empfunden, und ich war froh, wenn ich den Eingriff hinter mir hatte. Ich hätte es auf keinen Fall länger ausgehalten. Ich konnte erst dann mit dem Verarbeiten beginnen.“ Auch Aline wollte eine schnelle Operation: „Der Frauenarzt drängte auf eine schnelle Ausschabung. Dieses Drängen hat mich sehr verunsichert, ich dachte es sei gefährlich für mich, ein totes Kind im Bauch zu haben. Deshalb wollte ich, dass ‚diese Leiche’ möglichst schnell entfernt wird.  Ich fand das richtig ekelig und war fast enttäuscht, dass ich zwei Tage auf den Operationstermin warten musste.“ Saskia erging es ähnlich: „Bei meiner ersten Fehlgeburt war die Operation direkt einen Tag nach der Diagnose. Ich war von der Diagnose sehr geschockt, habe den ganzen Tag und Abend nur geweint. Im Nachhinein war ich aber auch ganz froh, dass die Operation so schnell folgte. Denn bei meiner zweiten Fehlgeburt lagen einige Tage dazwischen, die für mich sehr belastend waren. Ich wusste, mein Kind ist tot, aber ich musste es noch mehrere Tage in meinem Bauch haben. Richtig verabschieden konnte ich mich eh erst NACH der Operation.“
Allerdings sahen es manche Frauen im Nachhinein auch anders, Bianca sagt z.B.: „Körperlich war ich froh, seelisch ging es mir später sehr schlecht.“ Uschi sieht es heute so: „Im Nachhinein war es ein Fehler.“ Auch Sonja „würde heute alles anders machen.“

Einer Frau waren die vier Tage Wartezeit bis zur Operation sogar zu viel gewesen. Maja hätte gerne noch schneller einen Schlussstrich gezogen. Sie sagt: „Ich fand es sehr belastend, mit einem toten Baby schwanger zu sein. Ich habe drei Tage vor dem Ausschabungstermin dann angefangen zu bluten, wusste nicht, ob das normal ist. Ich bin ins Krankenhaus, dort haben sie gesagt, nun ist die ‚missed abortion’ ein ‚abortus incompletus’, wollten aber die Ausschabung nicht machen, da ich ja einen Termin hatte und kein Notfall sei. Hatte die kommenden zwei Tage dann irre Schmerzen, und dann habe ich ja mein Kind stückchenweise verloren, ich fand das so schrecklich! Bin am nächsten Tag wieder ins Krankenhaus, aber sie haben mich einfach nicht operiert, sondern wieder nach Hause geschickt, ich sei ja kein Notfall. Nicht nur wegen des stückchenweisen Verlustes, auch wegen der Hammerschmerzen fand ich es total schlimm. Ich habe mittlerweile ein gesundes Baby, die Schmerzen, die ich damals hatte, waren wehenähnlich.“

Die andere Hälfte der Frauen hätte dagegen gerne mehr Zeit gehabt, sich mit der Situation auseinander zu setzen. 22 Frauen gaben zudem an, nicht genug Zeit für das Abschiednehmen gehabt zu haben. Miriam hierzu: „Die Zeit war viel zu kurz (ca. 1-2 Stunden), ich hatte das Gefühl, dass ich richtig überrollt werde. Mir wurde zwar auch die Wahl gelassen, noch
mal nach Hause zu gehen und am nächsten Tag zur Operation zu kommen, aber ich wurde eigentlich dazu gedrängt, gleich da zu bleiben („Sie wollen doch schnell wieder zu Hause sein..."). Und ich dachte auch, dass ich sicher sehr schlecht schlafen würde, wenn ich die Nacht zu Hause verbringen würde. Wäre sicher auch so gewesen, aber ich hätte Zeit zum Abschiednehmen gehabt...“

An fehlenden obiger Graphik wird sehr deutlich, dass die meisten Frauen mindestens drei Tage bis zur Operation brauchen, um die Gelegenheit zu haben, sich mit der Situation einer Fehlgeburt auseinander zu setzen.

Noch etwas deutlicher wird diese Dreitagesfrist, wenn es darum geht, sich von seinem Kind zu verabschieden und den Trauerprozess zu beginnen. Bianca schreibt dazu: „Ich war froh, dass ich die fünf Tage zwischen Diagnose und Operation hatte, um mich von meinem Baby verabschieden zu können. Ich habe die Zeit gebraucht, um die Trauer wirklich zu spüren und weinen zu können. Ich glaube, wenn ich sofort eine Ausschabung bekommen hätte, dann hätte mir dieser Abschied gefehlt, um zu begreifen, was ich da erlebe und dass der Verlust wirklich real ist. Nach der Diagnose habe ich mich zuerst wie betäubt gefühlt, habe zwar geweint, aber alles irgendwie mechanisch erledigt. Erst nach zwei bis drei Tagen habe ich realisiert, dass es die letzten Tage mit meinem Baby im Bauch sind. Und das war gut so. Freunde und Verwandte in meinem Umfeld fanden es furchtbar, dass ich noch ‚so lange’ warten musste - ich fand es sehr hilfreich, um meinen Trauerweg zu finden.“ Auch Uschi war es sehr wichtig gewesen, Zeit für den Abschied gehabt zu haben: „Bei der zweiten Fehlgeburt war die Woche von der Diagnose bis zur Operation sehr wichtig und auch hilfreich, weil ich mich, nachdem sich der Schock gelegt hatte, bewusst von meinem Bauchbaby verabschieden konnte. Letztendlich war es ja dann auch meine Entscheidung ins Krankenhaus zu gehen und die Operation machen zu lassen, eben weil meine Blutwerte nicht mehr o.k. waren. Die Zeit bis zur Ausschabung war eigentlich sehr friedvoll.“ Auch Regina M. hat sich bei ihrem zweiten Verlust mehr Zeit gegönnt: „Nachdem ich realisiert hatte, dass es doch ein zweites Mal passiert war, habe ich mir den Termin im Krankenhaus geholt und mir noch zwei Tage mit *Noemi ‚gegönnt’ - in dieser Zeit habe ich aktiv Abschied genommen. Ultraschall-Bilder in ein Tagebuch geklebt, den ‚Sockenstrampler’ mit den 40 Söckchen für die 40 Schwangerschaftswochen - von denen mein Mann jede Woche einen ‚Brief aus dem Bauch’ bekommen sollte - in eine Erinnerungskiste gelegt, zusammen mit dem Schmusetuch, das ich voller Vorfreude gekauft hatte. Und ich habe im Internet gesucht, nach häufigen Fehlgeburten, fand die Seite der Schmetterlingskinder und habe nächtelang davor gesessen und um all die Sternenkinder geweint. Doch waren es ‚heilsame Tränen’, weil sie mir auf meinem Weg durch die Trauer weitergeholfen haben.“

Allerdings waren trotzdem mehr als 60% der Frauen zum gegebenen Zeitpunkt froh, einen Schlussstrich ziehen zu können, auch wenn sie nur sehr wenig Zeit bis zur Operation hatten.  

Betrachtet man die Gruppe von Frauen separat, die sich bewusst für eine Operation entschieden haben – und nicht nur, weil sie keine Alternative kannten – so fällt folgendes auf:

  • 74 Prozent dieser Frauen gaben an, genug Zeit gehabt zu haben, sich mit der Situation auseinander zu setzen;
  • 63 Prozent hatten genug Zeit, Abschied zu nehmen;
  • 70 Prozent waren froh, einen Schlussstrich ziehen zu können.

Das heißt, dass diese Gruppe in allen drei Belangen weit über dem Durchschnitt der Gruppe aller operierten Frauen liegt, es ihnen also damit insgesamt schon vor dem Eingriff psychisch besser ging. 

Die Zeit zwischen der Diagnose und dem Eingriff beschreiben betroffene Frauen wie folgt:

  • Trauer, Verzweiflung,
  • bewusstes Abschiednehmen vom Kind,
  • Schock, schlimm, wie im Nebel, unwirklich, überrollt, nicht ernstgenommen, hilflos,
  • Schuldgefühle,
  • zu lang, wollte Operation schneller,
  • Angst, totes Kind zu tragen,
  • Angst vor unbekannter Situation, Operation,
  • körperlich elend, Krämpfe, Blutungen, Schmerzen,
  • schrecklich, unvorbereitete kleine Geburt.

Besonders erschreckend ist, dass einige Frauen völlig unvorbereitet die Zeit bis zur Operation durchleben mussten. Sabine H. hat die Zeit angstvoll erlebt, „da ich nicht wusste, was mich erwartet.“ Die Frauen wurden auch nicht darüber aufgeklärt, dass die kleine Geburt jederzeit einsetzen kann, was für sie ein großer Schock war. Leena: „Ich habe mein Baby in der Nacht nach der Diagnose zu Hause verloren. Das war unvorbereitet für mich, weil ich damals der Empfehlung meines Arztes gefolgt wäre, eine Ausschabung machen zu lassen.“ Auch Sabine H. hat es unvorbereitet getroffen: „Bald setzten Krämpfe (Wehen) ein, und ich bekam eine starke Blutung, die mir sehr viel Angst machte und die eigentlich für den nächsten Tag vorgesehene Operation sofort nötig machte.“ Und Janna fragt sich: „Am nächsten Morgen sind wir dann ins Krankenhaus gefahren. Dort bekam ich ein Zäpfchen gelegt, das den Muttermund weich machen und öffnen sollte. Tja, da lag ich dann in dem Zimmer, wissend, dass sie mir mein Kind bald wegnehmen. Irgendwann habe ich dann Blutungen bekommen und wurde schnell in den Operationssaal gebracht - inzwischen frage ich mich warum,  man hätte es ja abbluten lassen und nur bei Bedarf eine Ausschabung machen können.“

Bei den allermeisten Frauen verlief der Eingriff ohne Komplikationen. Allerdings litten über ein Viertel der Frauen unter sehr starken Schmerzen. Zum Teil bedingt durch die muttermundöffnenden Zäpfchen oder eine schlecht gesetzte spinale Narkose, zum Teil als nachoperative Schmerzen, Nachwehen oder durch Gebärmutterverletzungen.

Insgesamt zehn Frauen (19%) hatten aufgrund der Operation körperliche Probleme. Während der Operation traten Atem- und Herzprobleme auf, nach dem Eingriff gab es Gebärmutterverletzungen, Entzündungen, hohe Blutverluste und Kreislaufprobleme. Langfristig löste sich bei einer Mutter bei der Folgegeburt der Mutterkuchen nicht, was auf die Ausschabung zurückgeführt wurde. Viermal (8%) musste nachoperiert werden.

Für andere war die Operation eine körperliche Erleichterung. Regina M. hat dies so erlebt: „Durch die Operation und danach hatte ich keine Schmerzen, im Gegenteil, sie beendete die starken Schmerzen von den Krämpfen davor und war dadurch in gewissem Sinne erleichternd (zumindest körperlich).“

Die postoperativen Nachblutungen hielten zwischen sechs Stunden und sechs Wochen an, mit einem Schnitt von neun Tagen, wobei die Stärke sehr unterschiedlich war. Die Hälfte der Frauen hatte schwächere Blutungen als bei einer normalen Periode, ein Viertel hatte stärkere bis sehr starke Blutungen, bei etwa 14 Prozent war die Blutung einer Periodenblutung vergleichbar. Bei den anderen, meist lange anhaltenden Blutungen, ging eine anfangs starke Blutung später in eine normale oder schwache Blutung über. 

41 Prozent der Mütter gaben an, durch die Operation seelische Probleme bekommen zu haben. Als Gründe wurden genannt:

  • Angst vor der Narkose,
  • Angst vor Unfruchtbarkeit,
  • Gefühl, dass das Kind gewaltsam entrissen worden war,
  • brutaler, fremdbestimmter Eingriff,

-         zu schnelle Operation.

Für Maja dagegen war die Operation in der elften Schwangerschaftswoche eine große Erleichterung gewesen. „Ich hatte ja auch solche Schmerzen vorher und dazu diese Vorstellung, mein Kind stückchenweise zu verlieren, ich bin nach der Operation aufgewacht und hatte wenigstens diese Krämpfe nicht mehr und war körperlich sehr schnell wieder fit.“ 

Auch hier wird deutlich, dass die Frauen, die eine bewusste Entscheidung für die Operation getroffen haben, anschließend weniger psychische Probleme hatten als diejenigen, denen die Operation mehr oder weniger auferlegt wurde:

  • Nur 30 Prozent – im Gegensatz zu 52 Prozent – gaben an, anschließend wegen der Operation seelische Probleme bekommen zu haben und
  • für 81 Prozent war auch im nachhinein die Operation der für sie richtige Weg zur Schwangerschaftsbeendigung gewesen, im Vergleich zu 54 Prozent. 

Nur eine Mutter hat ihr Kind nach der Operation gesehen und durfte es sogar mit nach Hause nehmen und beerdigen. Sie ist sehr froh darüber, es war der richtige Weg für sie und entsprach ihrem Wunsch.

Leider war es für 40 Prozent der Frauen, die ihr Kind nicht gesehen haben, nicht der richtige Weg.  

42 Prozent der Mütter wissen nicht, was mit ihrem Kind nach der Operation geschehen ist. Sechs Babys (13%) wurden bestattet. Der Rest der Kinder wurde, zum Teil nach einer histologischen oder genetischen Untersuchung, klinisch entsorgt.

Doch für die meisten Frauen (61%) wäre es wichtig gewesen, das Kind beerdigen zu dürfen. Einige hätten ihr Baby auch gerne gesehen und von ihm Abschied genommen. Weitere hätten sich eine genetische Untersuchung gewünscht oder gerne das Geschlecht ihres Kindes erfahren.  

Die erste Periode nach dem operativen Eingriff setzte nach 24 bis 84 Tagen ein, mit einem Durchschnitt von 39 Tagen. Sie war in einigen Fällen später, stärker, länger und schmerzhafter als normalerweise. Bei zwei Frauen traten nach der Operation auch Zyklusunregelmäßigkeiten auf. Allerdings war auch bei zehn Frauen (29%) diese erste Folgeperiode genauso wie zuvor.

60 Prozent der Frauen sind nach dem Verlust wieder schwanger geworden. Und zwar innerhalb eines Zeitraums von einem Monat bis drei Jahren (Schnitt: sieben Monate). 15 Kinder sind davon gesund zur Welt gekommen, drei waren zum Zeitpunkt der Befragung noch unterwegs. 13 Frauen (41%) erlitten leider wieder einen frühen Verlust, ein Kind starb wegen Fehlbildungen wenige Tage nach der Geburt. 

67 Prozent der befragen Frauen sagten, dass die Operation für sie der richtige Weg zur Beendigung ihrer Schwangerschaft gewesen sei. Aber 54 Prozent denken auch, dass sie bei einer nochmaligen frühen Fehlgeburt nicht mehr ins Krankenhaus gehen würden. Gründe hierfür formulieren die Mütter zum Beispiel wie folgt: 

Sie haben (wieder) Vertrauen in ihren Körper:

  • Sabine Ho.: „Mein Körper hat schon drei Mal bewiesen, dass er weiß, was er tun muss. Darauf würde ich wieder vertrauen.“ (Sabine hatte sich beim vierten Verlust für eine Operation entschieden, um eine genetische Untersuchung vornehmen zu lassen.)
  • Martina: „Da ich nach der Kürettage dieselben starken Blutungen und Krämpfe hatte, frage ich mich, wozu ich sie hatte?“
  • Simone D. sagt: „Ich hätte einfach nur das Gefühl, mit meinem Körper natürlicher umgegangen zu sein.“

Sie wollen ihr Kind in Ruhe und Würde gehen lassen:

  • Regina M. sagt: „Ich würde mir die Zeit nehmen, mein Kind gehen zu lassen, unter der Voraussetzung, dass ich die Schmerzen ertrage oder ich die Schmerzen durch Schmerzmittel dämpfen kann.“
  • Auch Miriam „möchte bewusst Abschied nehmen können und die Zeit dafür haben.“
  • Sandra erklärt: „Ich würde warten und meinem Baby die Würde geben wollen, die es verdient und es nicht entfernen lassen wie einen lästigen Fremdkörper.“

Sie glauben, dass es für sie seelisch besser wäre:

  • Sonja: „Ich glaube, dass eine kleine Geburt zu Hause fürs Abschiednehmen besser ist, und falls es Komplikationen gibt, muss man sowieso ins Krankenhaus fahren.“
  • Regina B. glaubt heute „...mit einer kleinen Geburt besser umgehen zu können. Ich würde mein Kind gerne beerdigen können und es sehen wollen.“

Sie haben unter der Krankenhausatmosphäre gelitten:

  • Inka würde nach Möglichkeit nicht wieder ins Krankenhaus gehen, weil sie sich dort alleine und ausgeliefert gefühlt hat. „Ich musste etwas mit mir geschehen lassen, was ich nicht wirklich wollte.“
  • Heike litt sehr unter der Situation im Krankenhaus: „Ich fühlte mich so herabgesetzt behandelt. Man ging überhaupt nicht auf mich, auf meine seelische Situation ein. Man legte mich auf ein Zimmer mit einer Schwangeren...“

Sie würden selber entscheiden wollen:

  • Natalie sagt: „Heute wäre ich gelassener und würde mich nicht mehr überreden lassen etwas zu tun, was ich nicht will.“
  •  Judith würde auf jeden Fall nicht mehr so schnell ins Krankenhaus gehen. Sie würde sich Zeit nehmen, denn sie sagt: „Heute weiß ich über das Thema mehr, weil ich die Alternativen zur Operation, die Trauer und meine Rechte besser kenne.“
  • Katja betont: „Wichtig ist für mich eigentlich nur, dass ich die Möglichkeit habe, mich selbst zu entscheiden...“

Die meisten Frauen, die nicht wieder ins Krankenhaus gehen würden, glauben auch, dass eine kleine Geburt ihnen weniger seelische Probleme bereitet hätte als die Operation. Aber gleichzeitig denken sie, dass die Operation körperlich für sie in Ordnung war und einige von ihnen würden bei einer kleinen Geburt sogar mit mehr körperlichen Problemen rechnen.

Sandra fasst das so zusammen: „Körperlich kann ich nicht sagen, ob es einen Unterschied für mich geben würde. Aber eine kleine Geburt hätte mir bestimmt geholfen zu verstehen, dass mein Baby wirklich gestorben ist und mein Körper es nun los gelassen hat. Nach der Operation habe ich mich immer gefragt, ob es sein kann, dass die Ärzte sich geirrt haben und mein Baby noch gelebt hat. Ich habe nicht mitbekommen, dass mein Baby fort war und nichts davon gespürt. Ich wollte es gehen sehen und mich richtig verabschieden.“ 

Die Frauen, die wahrscheinlich bei einer nochmaligen Fehlgeburt wieder ins Krankenhaus gehen würden, begründen dies damit,

  • dass sie glauben, durch eine kleine Geburt mehr seelische und körperliche Probleme erleiden zu müssen;
  • dass sie schon eine „incomplete abortion“ hatten und merkten, das eine kleine Geburt „nicht ihr Weg“ ist;
  • dass sie eine kleine Geburt zuhause nicht durchmachen möchten;
  • dass sie innerlich dafür nicht bereit wären;
  • dass sie sich wieder richtig gesund fühlen wollten oder
  • sich, wie Christina, unter Druck fühlten, „weil ich schon über drei Wochen nicht arbeiten konnte und überhaupt nicht absehbar war, wann das hätte passieren können.“
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