Reg. Rat Tichacek hat mir u.a. den Wiener Zentralfriedhof erklärt

Hinter der Börse, Werdertorgasse 6, 2. Stock, vorbei an der "Gräbernachzahlung", hinten rechts, Zimmer 26: Zumindest die Atmosphäre in Leopold Tichaceks Büro hat was Lebendiges. Die Aufgabe des Oberamtsrates ist eine ernsthafte, er ist stellvertretender Leiter der MA 43, städtische Friedhöfe. Seit er am 2. August 1965 frisch nach der Matura in die 43er eintrat, arbeitet er für die Toten und ihre Angehörigen. "Dabei kann sich der Beamte nur im Rahmen der Landesgesetze und Bestattungsanlagenordnung bewegen", erklärt er. Extrawürste wie exotische Grabgestaltungen gibt's da nicht.
Bis heute* werden die Daten der Verstorbenen händisch in die Gräberprotokolle unten im ersten Stock eingetragen, dabei stehen die Beamten an einem Pult - ein Relikt aus vergangenen Tagen. "Wir sehen den Friedhof als Teil der Kultur der Menschen, wie wir mit den Gräbern umgehen, ist Zeugnis dessen, wie wir mit den Menschen umgehen", erklärt Tichacek. Täglich werden in Wien achtzig Menschen beerdigt, 46 städtische Friedhöfe, 600.000 Grabstellen, 400 bis 600 Mitarbeiter - je nach Saison - müssen gemanagt werden. Ganz zu schweigen von den 4000 Exhumierungen pro Jahr. Tichacek: "Eines sollten die Leute, die Ausländer nicht mögen, nicht vergessen: Den Opa nimmt heute der Ausländer aus dem Grab." Denn der echte Wiener mache so was schon längst nicht mehr.

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Falter 41/2005 vom 12.10.2005 Ressort Politik > Wiener Wahl Politik, Wiener Wahl Autor Florian Klenk, Julia Ortner, Nina Weissensteiner

* von Hand eingetragen in die Bücher wird auch im Jahr 2011 immer noch. Die Bücher sind öffentlich einsehbar, da die Daten eines Verstorbenen grundsätzlich keinem Datenschutz unterliegen. Um einen pietätvollen Umgang wird gebeten.

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