Gibt es Schutzengel?

Schutzengel, gibt es die? ein Bericht von Katharina Messner krone.at vom 12.6.2011

Schutzengel? Ein Hirngespinnst, sagt die Vernunft. Eine reale Wesenheit, sagt das Gefühl. Für das Gefühl ist unsere rechte Gehirnhälfte zuständig, für die Vernunft die linke. Gelingt es der Wissenschaft, eine Brücke zwischen unseren beiden Wahrnehmungsmöglichkeiten zu schlagen? Kann man den Engelsschalter lokalisieren und bewußt aktivieren?

Ron DiFrancensco war der letzte Mensch, der den Südturm des World Trade Center lebend verlassen konnte, bevor dieser am 11. September 2001 einstürzte. Dass Ron überlebte, war "unglaublich", denn seine Art zu flüchten widersprach jeder Logik. "Ich befand mich noch immer in gefahr, deshalb führte er (der Schutzengel) mich zur Treppe, brachte mich dazu, dass ich mich durch die Trümmer kämpfte und durchs Feuer lief ...

Es war eindeutig jemand da, der mich antreieb. Normalerweise würde man dort nicht entlanggehen, man geht nicht auf das Feuer zu ..." (John Geiger, Der Schutzengel-Faktor: Das Geheimnis des Überlebens in Extremsituationen, Malik Verlag).

Immer wieder sind es extreme Situationen, in welchen den Menschen ein helfer erscheint. Diese Präsenz kann als Stimme, Schatten oder auch als Mensch wahrgenommen werden. In solchen Momenten gibt es keine Zweifel an seiner realen Existenz.

In "Der nackte Berg: Nanga Parbat - Bruder, Tod und Einsamkeit" schreibt Reinhold Messner über eine dramatische Situation im Rahmen der schicksalshaften Bezwingung des Naga Parbat 1970, bei der sein Bruder Günther ums Leben kam: "Plötzlich ist ein dritter Bergsteiger neben mir. Dieser eine klettert mit uns abwärts. Regelmäßig ein bisschen rechts von mir ... Ich fü+hle seine Präsenz. Nein Beweise brauche ich dafür nicht ... Die blose Präsenz half mir irgendwie, nicht die Fassung zu verlieren."

In "Südpol, 635 Tage im ewigen Eis" schildert Ernest Shackleton die Rettung durch den "vierten Mann". Shackleton (1874 bis 1922) lebte im Zeitalter der großen Polarforschungen. Seine Expeditionsberichte waren bestseller. Er wollte als erster Mensch die Antarktis durchqueren, doch sein Schiff, die "Endurance", wurde vom Eis zermalmt. Für die Männer begann eine Odysee in Kälte und Eis. Letztlich brach Shackleton mit zwei Kameraden auf, um Hilfe zu holen. Völlig entkräftet und halb verdurstet mussten sie ein 2000 Meter hohes Plateau überwinden. "Auf dem langen, kräftezehrenden 36 - stündigen Marsch über namenlose Berge und Gletscher Südgeorgiens hatte ich oft das Gefühl, wir seien zu viert, nicht zu dritt." Unabhängig voneinander berichteten später seine Gefährten von den selbsen Empfindungen. Und obwohl sich Shakleton sehr zurückhaltend über diese Erscheinung äußerte ("Da ist vieles, das b?iemals erzählt werden kann.") wurde er doch heftig dafür kritisiert.

Charles Lindberg, der als erster Mensch im Alleinflug nonstopp von New York nach Paris unterwegs war, berichtete von einer Emanation (etwas aus göttlichem Ursprung), die ihm half, das Abentteuer durchzustehen, die ihn wach hielt. Denn einzuschlafen, das wäre der sichere Tod gewesen.

Zu allen zeiten und in allene Religionen waren die Menschen von der Existenz der Schutzengel überzeugt. Doch dann kamen Aufklärung, Industrialisierung, technisierung, Computerisierung. Schutzengel wurden als Hirngespinste abgetan.

Schutzengel, gibt es die? Das ist heute ein neues Forschungsgebiet der Wissenschaft. Was steckt hinter diesen Phänomenen, über die so starke Männer wie Shakleton und Messner berichten?

Wir Menschen sind duale Lebewesen. Unsere rechte Gehirnhälfte wird von Gefühl und Kreativität beherrscht, in der linken dominiert die Vernunft. Im Laufe der Evolution wurde der Mensch überwiegend vom Gefühl geleitet. Naturreligionen liefern ein gutes Anschauungsbeispiel dafür. Wo der rationale Mensch einen Mord plant, setzt die kreolische Religion auf Voodoozauber.

Heute leben wir im Takt der Vernunft. So lange, bis wir an Extremsituationen stoßen. Sauerstoffmangel, Flüssigkeitsmangel, aber auch zu große Monotonie mobilisieren Schutzmechanismen, die uns beim Überlben helfen. Solche paranormalen Empfindungen lassen sich auch in mediativer Trace erleben. Kann man diese Empfindungen leugnen, nur weil man sie nicht angreifen kann? Dass sie wirken, ist unbestritten. Und was zählt letztlich? Die Wirkung oder das Angreifen können? Kann man eine Emanation, auch wenn sie aus dem Unterbewußtsein geboren wird, einfach als Hirngespinnst abtun?

Wenn das Gehirn von der linken zur rechten Hälfte umschaltet, fällt es dem Menschen schwer, das Erlebte vernunftsmäßig zu beurteilen. In der Schweiz gelang es Forschern, mit elektrischer Stimulation jene Bewußtseinszustände hervorzurufen, in denen Menschen real an die Existenz eines Schutzengels glauben.

Wenn also der Mensch die Fähigkeit hat, in Extremsituationen einen unsichtbaren Helfer aus sich selbst hervorzubringen, wurde ihm damit ein einmaliges Überlebensprogramm in die Wiege gelegt. John Geiger: "Ja, es gibt im Gehirn einen Engelsschalter - doch die Tatsache, dass  es sich um eine Reaktion des Gehirns auf extreme und ungewohnte Umgebung handelt, schmälert die Erfahrung an sich nicht ... Der dritte Mann ist ein Instrument der Hoffnung, die auf der Erkenntnis ruht, die für die menschliche Natur fundamental ist: der Glaube, die Einsicht, das wir nicht allein sind."

Mit Kerzen, wohlriechenden Ölen, Musik, Symbolen, Farben können Sie Engel einladen, Sie zu begleiten.

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