Babystreichler
Ich gebe folgenden Text gerne wieder, weil er ein Thema anspricht, das ich in der Form bislang in keinem Medium las, hörte oder dass darüber öffentlich gesprochen wird. Es geht inhaltlich darum, daß dem annehmen und lieben eines Kindes gar nicht so selten - von Herz zu Herz gesagt - eine Mauer oder ähnliches dazwischen sich aufgezogen hat mit dem ersten Anblick des eigenen Kindes, auf Grund dessen es etlichen Eltern nicht möglich ist, sich dazu zu überwinden das eigene Kind zu füttern, zu wickeln, zu herzen, kurz: es zu lieben.
Vorrauschicken möchte ich noch, das New York City ca 8 Mill. Einwohner hat, also etwa die gleiche Einwohnerzahl wie Österreich aufweist. Man nehme die angegebene Zahl und nehme sie x 10, dann hat man eine Zahl zum Vorstellen, wie es sich inhaltlich in Deutschland zutragen dürfte.
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Babystreichler
Hier nun der Bericht aus der Serie "New York New York" von Hans Janitschek erschienen am 15. Juli. 2007 in der Kronenzeitung www.krone.at über ein nachahmenswertes, weil ganz besonderes Projekt mit dem Namen "Babystreichler"
Mitten beim Sonntagslunch im vornehmen Harmonie Club stand E.B. Ashton plötzlich auf und verabschiedete sich. "Ich muss ins Spital", sagte der pensionierte Deutschprofessor von der Columbia – Universität. Als wir bestürzt fragten, ob er sich nicht wohlfühle, winkte er ab. "Nein, nein, es handelt sich um Krankenbesuche" sagte er etwas verlegen. "Genauer gesagt: zwanzig. Jeden Sonntag um eins!"
"Zwanzig?", fragte ich erstaunt. "Ja, sie sind alle im selben Zimmer", erwiderte E.B. (wir konnten nie herausfinden, wie er wirklich mit Vornamen heißt.), "und es geht um Leben und Tod." "Um Gottes Willen, E.B.", sagte meine Frau, "sind das denn alles Freunde von Dir?" "Nein", war die Antwort. "Ich kenne sie eigentlich gar nicht!"
Dann verriet er uns sein Geheimnis. "Ich bin Babystreichler", sagte er leise. "In dieser Stadt liegen ständig fast 1000 Neugeborene mit unheilbaren Geburtsfehlern in den Brutkästen der Spitäler, und wir dürfen sie einmal die Woche streicheln, um ein wenig Liebe in ihr Leben zu bringen."
Die "Vereinigung der Babystreichler New Yorks" zählt rund 50 Mitglieder, die die außerordentliche Erlaubnis haben, sich unter strengen hygienischen Vorschriften den Säuglingen zu nähern und ihre Wangen zu berühren. Die Idee dazu kam E.B. vor 25 Jahren, als er las, dass es nichts Ärgeres gibt, als einem neugeborenen Kind Zärtlichkeit zu entziehen, vor allem, wenn es schwer krank ist. "Die Kleinen erkennen uns schon an den Händen", fügte E.B. hinzu. "Aber jetzt muss ich wirklich weg. Sie werden ungeduldig, wenn wir zu spät kommen."