Angehörige wünschen
Angehörige sterbender/ verstorbener Kinder teilen mit: Hebammen und Ärzte sind (häufig der einzige) Zeuge für den Wert des Babys und der Liebe der Eltern zu unserem Kind. Die richtige Kommunikation hilft heilen
Die betroffenen Angehörigen früh verstorbener Kinder wünschen sich von Ihnen:
- Bitte fordern Sie nie die frisch entbundene Frau auf, sich vom Baby zu verabschieden; denn zuerst muss man ein Kind allumfassend willkommen heißen, bevor man sich verabschieden kann.
- Zudem kommt der Schock, dass das eigene Kind gestorben ist, viele Angehörigen zum ersten Mal mit einer Leiche sich in einem Raum befinden.
- Zudem gilt für viele Frau während ihres Klinikaufenthaltes sich selbst gegenüber diverse Fragen zu klären,
- Ziel Nr1: Wie erreiche ich, damit möglichst viele Familienmitglieder gemeinsam mit mir dieses Kind begrüßen können: Wie sage ich es meinem Partner? Meinen Kindern? Meiner Mutter? Meinem Vater? Meiner Schwiegermutter? Meinem Schwiegervater? Meiner Schwester oder Bruder usw. das ich (wir) ein Kind erwartet haben, das nun tot ist?
- Ziel Nr 2: Wie sage ich meiner Familienangehörigen, das ich ihre Unterstützung benötige bei der Entscheidungsfindung, wo ich mein Kind beerdigen darf? Wie und nach welchen Riten ich mein Kind beerdigen sollte? Und wer besorgt das Totenkleid, den Sarg?
- Bitte benutzen Sie die Worte, die für Mutter und Kind passend sind: Kind statt Leibesfrucht, geboren statt ausstoßen, Wehen statt Bauchkrämpfe, Versorgen statt Beiseite schaffen,.....- denn jede Frau fühlt sich von Zeugung an als Mutter ihres ungeborenen Kindes. Für Sie ist ihr Kind Realität - unabhängig davon, wie alt die Schwangerschaft ist.
- Bitte sagen Sie statt Tot- und Fehlgeburt lieber "stille Geburt", statt "Leibesfrucht" reden sie bitte von meinem "still geborenen Kind".
- vermeiden Sie tröstende Worte, denn sie werden meist von den betroffenen Eltern als Abwertung ihres Babys verstanden: z.B.: Sie sind ja so jung, Sie werden sicher noch andere Kinder bekommen.
- Bitte nehmen Sie die Aggression der Patientin an, ohne sie direkt auf sich zu beziehen. Sie entspringt der Unfähigkeit der Betroffenen, die Situation zu akzeptieren und ist ein Bestandteil des Schocks.
- Bitte lassen Sie Frauen, die eine Fehl- oder Totgeburt zu erwarten haben, nicht alleine, denn das erleben Sie als Ausgrenzung aus der Gemeinschaft, da sie nicht richtig "funktioniert" haben.
- Bitte bemühen Sie sich, dass der Partner und andere Familienangehörige vor und zur Entbindung kommt, denn die Frau braucht dringend weitere Vertrauenspersonen und Zeugen für die Realität ihres Kindes. Nur wenn der Vater oder andere Familienmitglieder das Baby gesehen haben, kann für ihn bzw. die Familie aus der Möglichkeit eines Babys die Realität des weiteren Familienmitgliedes werden.
- Jedem still geborenen Kind einen Vor und Familiennamen geben, denn dieser darf am Grabstein stehen. Die äußeren Geschlechtsmerkmale sind entwicklungsbedingt ab der 8. Schwangerschaftswoche (mit einer Lichtquelle) bei jedem still geborenen Kind sichtbar...
- Erst die Namensgebung als auch das allumfassende Willkommen heißen innerhalb der (Groß-) Familie ist die Basis für die zukünftige Trauerarbeit - z.B. der Mutter, denn innerhalb der Familie kann besser über diesen Schicksalsschlag kommuniziert werden.
- Männer und Trauer: Jede/r hat ihren/seinen individuellen Weg. (Auch Großeltern, Onkel, Tanten und Kinder)
- Familienmitglieder, welche das Baby nie mit eigenen Augen gesehen, getragen, gehalten, umsorgt haben, durchlaufen ebenfalls einen ganz anderen Trauerprozess, da für diese Familienmitglieder nicht Realität, sondern nur in der Fantasie bestand.
- Der Besuch von Selbsthilfegruppen oder anderen Selbstbetroffenen ist sehr wichtig und hilft heilen. Angehörige verstorbener Kinder fühlen sich vielfach nur von anderen Betroffenen verstanden.
- Bitte fordern sie nach der Geburt die Eltern und weitere Familienangehörige auf, dass sie gemeinsam ihr Baby begrüßen und alles tun, um dieses Kind in die Familien- & Kirchen- und Glaubensgemeinschaft aufzunehmen. Sprechen Sie direkt an, das die Angehörigen ihr Kind auch mit einem religiösen Ritus aufnehmen/ segnen/verabschieden lassen dürfen, wenn diese Riten für die Angehörigen wichtig ist.
- Berücksichtigen Sie bitte, dass Eltern, welche eine schlimme Diagnose ihres Kindes erfahren haben, Monate im Schock stecken und sie oft Moante/Jahre später erst das Gespräch mit Ihnen brauchen, um die gemeinsam erlebte Zeit noch einmal gemeinsam durch zu sprechen. Manche Familinemitglieder brauchen länger Zeit, kleinere Häppchen der wirklichen Wahrheit.
- Lassen Sie der betroffenen Frau zusammen mit Angehörigen Zeit, um langsam die Situation zu begreifen und sich auf die neue Situation umzustellen.
- Im Mutterleib verstorbene Kinder müssen aus gesundheitlichen Gründen nicht sofort den Mutterleib verlassen: Wenn der Tod des Babys abgeklärt ist und die Frage des Zeitpunktes der Geburt ansteht, informieren mitfühlende Ärzte/Hebammen die Betroffenen, dass (solange die Fruchtblase geschlossen ist) kein Leichengift entstehen kann - dem entsprechend die Angehörigen eine Ewigkeit Zeit haben.
- Bitte schätzen Sie bei der Geburt die Einmaligkeit der Situation: Dies ist der Moment, an dem die Mutter am intensivsten ihr Kind begreifen kann und in dem auch der Grundstein für die heilende Trauer gelegt wird.
- Vermeiden Sie bitte schmerzstillende, wahrnehmungs verschleiernde Mittel, da in dieser Situation die Mittel oft bewusstseinstrübend wirken, was jeder Trauerverarbeitung später blockiert.
- Loben, streichen und massieren Sie lieber die Frau, und unterstützen Sie damit das Ertragen der Geburt, als Zeichen ihrer großen Liebe zu ihrem Kind.
- Für die Frauen ist jedes Gebären völlig von der Schwangerschaftswoche unabhängig, jede Änderung wird von der Frau als Abwertung ihres Geschehens erlebt.
- Versuchen Sie die Geburt in jedem Schwangerschaftsstadium so natürlich wie möglich verlaufen zu lassen. Ein normaler Geburtsablauf wirkt sich positiv auf eine eventuelle nächste Schwangerschaft aus.
- Bitte achten und dokumentieren Sie sorgfältig, ob beim Baby nach vollständigem Austritt aus dem Mutterleib entweder die Atmung eingesetzt hat, oder irgendein anderes Lebenszeichen erkennbar ist, wie Herzschlag, Pulsation der Nabelschnur oder deutliche Bewegung willkürlicher Muskeln, gleichgültig ob die Nabelschnur durchgeschnitten ist oder nicht, oder ob die Plazenta ausgestoßen ist oder nicht.
- Klären Sie den Klinikinternen Konflikt, das neugeborene Kinder in der klinikinternen Dokumentation kein eigenstätig dokumentierte Patienten sind, sondern die kindliche Krankenakte eine Bestandteil der mütterlichen Krankenakte ist. Dem entsprechen kommt es häufig vor, das lebend geborene Kinder gemäß Leichengewicht als Fehl und Totgeburt gemeldet werden, weil dieses Kind versicherungsrechtlich die Klinik nicht lebend verlassen hat.
- Völlig unabhängig von der Schwangerschaftsdauer sollte ausnahmslos jedes lebend geboren Kind als Lebendgeburt zu verzeichnen, was für das Kind und die Mutter einen viel besseren Rechtsstand bedeutet, denn lebend geborenen Kindern steht Geburts- und Sterbeurkunde sowie Familienbeihilfe zu. Zudem werden lebend bzw. still geborene Kinder in vielen Religionen mit unterschiedlichen Riten beerdigt.
- Dies ist im Leichen- und Bestattungsgesetz sowie im Hebammengesetz festgehalten.
- Falls die Mutter alleine das Baby zur Welt gebracht hat, so glauben Sie ihr, wenn sie angibt, dass das Kind noch gelebt hat. Wird ihre eigene Wahrnehmung angezweifelt, so blockiert dies gewiss ihren Trauerprozess ganz.
- Bitte räumen Sie nicht gleich das Neugeborene weg, denn dies heißt, dass es eine Zumutung für die Eltern wäre, vor der sie geschützt werden müssen.
- Behandeln sie es im Beisein der Eltern wie jedes andere - zum Leben gebrachte - Neugeborene auch.
- Bitte informieren Sie alle Eltern, dass Eltern noch nie bereut haben ihr Baby gesehen, gehalten, untersucht,... zu haben (egal welche Missbildungen), aber schon Tausende es bereut haben, ihr Kind nie wirklich kennen gelernt zu haben.
- Bitte unterstützen Sie die Kontaktaufnahme mit dem Kind, indem Sie das Baby liegen lassen, und loben Sie das Aussehen des Babys.
- Indem Sie als Fachfrau das Baby als wertvoll beschreiben, wird fast jede Frau neugierig und will ihr Baby sehen. Wenn Sie es zuerst entfernen, dann erlebt sie das Kind eher als Leiche, vor der man sich fürchten muss.
- Bitte unterstützen Sie die Eltern in der Kontaktaufnahme mit dem Baby, indem Sie es vor dem Wegtragen den Eltern freundlich hinhalten.
- Eltern haben es dann noch nie abgelehnt, ihr Baby an sich zu nehmen.
- Bitte geben Sie den Eltern die Möglichkeit, viele Fotos (vielleicht auch im Arm seiner Eltern, mit Geschwistern,..) in dieser einmaligen Situation zu machen. Können dies die Eltern trotz Unterstützung nicht, so machen Sie welche und geben Sie sie im zugeklebten Kuvert bei der Entlassung mit - sie gehen sonst extrem oft verloren. Bitte regen Sie auf der Station an, dass eine Elternmappe hergestellt wird, wo Fotos, Fuß- und Handabdrücke, alle Geburtsdaten, die Namen des entbindenden Arztes und der Hebamme, das Namensbändchen, Literaturhinweise, Kontaktadressen zu Selbsthilfegruppe und alle Rechtsinformationen, vor allem die Bestattungsmöglichkeiten enthalten sind. Dies ist enorm hilfreich, wenn die Frau zu Hause aus dem Schock kommt. Bitte schließen Sie sich mit der nächsten diensthabenden Stationsschwester und dem Pathologen kurz, um den Eltern mehrere Tage zu ermöglichen, entweder zum ersten Mal, oder auch mehrmals ihr Kind zu haben und begreifen zu können. Informieren Sie die Eltern über die mögliche Zeitspanne. Manche Eltern trauen sich nicht am nächsten Tag nach dem Baby zu fragen, also fragen bitte Sie. Bitte die Patientin in der Folgenacht nicht in der Nähe des Säuglingszimmers unterzubringen, dafür die Möglichkeit schaffen, dass ein Angehöriger bei der Frau im Zimmer schlafen kann und vielleicht auch anbieten, dass das tote Baby dort gelassen werden kann. Bitte informieren Sie die Eltern von der Möglichkeit, ihr Kind selbst beerdigen zu lassen, auch wenn es nicht ein bestimmtes Mindestgewicht hat. Die meisten Betroffenen haben sich noch nie mit diesem Gedanken auseinandergesetzt, bereuen aber häufig später nicht nach dieser Möglichkeit gefragt zu haben. Bitte weisen Sie die Eltern darauf hin, dass sie immer den Babys als Zeichen ihrer Liebe etwas mitgeben können, es mit eigenen Sachen ankleiden können, und wenn eine Bestattung im eigenen Auftrag erfolgt, sie diese auch mitgestalten können. Wenn die Frau vorzeitig entlassen werden will, kümmern Sie sich bitte um eine Nachbetreuung durch eine freie Hebamme. Bitte stellen Sie sicher, dass die geschockten Eltern genau verstanden haben, warum das Baby verstorben ist und dass es nicht die Schuld der Eltern war. Erklären sie die Todesursache in für Laien verständlichen Worten. Auch eine Schwangerschaftsunterbrechung ist niemals die Todesursache! Helfen Sie daher beim Erkennen, warum die Entscheidung zum Schwangerschaftsabbruch in diesem Fall gut und Not wendend notwendig war. Bitte nehmen Sie sich ausreichend Zeit für ein Gespräch während dem Wochenbett. Alle Frauen die entbunden haben unterliegen einer ganz normalen Hormonumstellung und haben darüber hinaus die Erfahrung machen müssen, dass sie ihr Baby nie mit nach Hause werden nehmen können um es mit anderen zu teilen. Bitte helfen Sie mit, dass bei einer Fehlgeburt die Ärzte mit Befunden und einem Hinweis auf ihre psychische Situation mithelfen, dass die Frau eine großzügige Krankmeldung bekommen kann. Bitte informieren Sie die Eltern, dass sie ihrem Kind auch offiziell einen Namen geben dürfen, der in das Sterbebuch eingetragen und am Grabstein stehen kann. Sind die Eltern nicht verheiratet, so kann der Vater persönlich am Standesamt seine Vaterschaftsanerkennung abgeben. Prinzipielles: Die Liebe der Eltern zu diesem einmaligen Kind ist der größte Halt für alle. Eltern sind total im Schock und brauchen daher viel Zeit, mehrmals dieselben Informationen und Unterstützung sich auf die Kontaktaufnahme mit ihrem Kind einzulassen. Im Spital sind die einzige Möglichkeiten des Begrüßens und sicher noch nicht die Zeit der Verabschiedung. Im Spital werden unwiderruflich die Weichen für die viel später einsetzende Trauerarbeit gestellt! DANKE für Ihre Mitarbeit. Entworfen von Verein Regenbogen Deutschland
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