tröstende & verletzende Worte
folgende webseite ist bereits vom Netz: www.8ung.at/schwanger-was-nun/hauptteil_angehorige.html
Weil der unten stehende Text um das Jahr 2001 dort schwer lesbar war, habe ich damals den Text zu mir kopiert und das Schriftbild vergrößert.
Liebe Angehörige, Freunde, Bekannte, ArbeitskollegInnen, Nachbarn... sie sind meist völlig hilflos wenn es darum geht, wie sie mit einer Frau, die unter ihrer Abtreibung leidet, umgehen sollen. Deshalb hier einige hilfreiche Tipps und Warnungen vor Fettnäpfchen von ihnen selbst:
Tröstend :-) * Verletzend :-( * Denke bloß nicht, dass das Schwangerschaftsstadium etwas am Wert oder dem Ausmaß der Trauer ändert.
* Setze ihre Gefühle, ihre Trauer oder ihre Reue-Gefühle nicht herab indem du sagst, es müsse noch einen anderen Grund geben dafür als nur die Abtreibung.
* Habe keine Angst, sie zu berühren oder zu umarmen. Das kann hilfreicher sein als viele Worte.
* Meide sie nicht weil du dich hilflos fühlst oder unwohl oder du nicht weißt, was du sagen sollst.
* Wechsle nicht das Thema wenn sie auf die Abtreibung zu sprechen kommt. Höre ihr einfach zu und finde heraus, was sie sagen möchte.
* Dränge sie nicht, ihre Trauerarbeit abzuschließen, es braucht lange um zu heilen und sie wird nie wirklich vergessen können.
* Ermutige sie nicht, illegale Drogen, unverschriebene Medikamente oder Alkohol zu nehmen.
* Frage sie nicht wie es ihr geht, wenn du nicht bereit bist oder keine Zeit hast, ihr wirklich zuzuhören.
* Sage nicht, du wüsstest wie sie sich fühlt, wenn du nicht genau in der gleichen Situation warst.
* Sage niemals (auch wenn du sehr gekränkt bist) „Du wärst keine gute Mutter gewesen“ oder „Du warst sowieso noch nicht bereit für ein Kind“ oder irgend etwas anderes, was ihre Fähigkeiten als Mutter oder zukünftige Mutter in Frage stellt.
* Sage ihr nicht, was sie fühlen, denken oder tun soll.
* Setze ihr keine Frist indem du sagst: “du solltest dich jetzt besser fühlen” Dadurch fühlt sie sich noch schlechter als vorher und versteht es so: “sie flippt nicht nur nach ihrer Abtreibung aus, aber sie belästigt noch alle Welt damit, dass sie immer noch nicht darüber hinweg ist”
* Versuche nicht, der Abtreibung noch etwas Positives abzugewinnen. Der Tag wird kommen, an dem sie selbst etwas Positives findet, aber sie muss es selbst herausfinden.
* Sage ihr nicht, dass sie noch andere Kinder hat (das stimmt und das weiß sie auch selbst, aber sie fühlt sich dadurch ihrer Trauer beraubt, die man einer Mutter nach einer Fehlgeburt problemlos zugestehen würde).
* Erinnere Sie nicht an die Abtreibung, wenn sie gerade nicht darüber sprechen möchte.
* Sage ihr nicht, sie könne jederzeit wieder Kinder bekommen (das stimmt vielleicht und sie weiß das auch, aber das hilft ihr im Moment nicht weiter, sie daran zu erinnern).
* Sage ihr nicht, sie solle dankbar für ihre anderen Kinder sein (sie ist dankbar, sie weiß es, aber das hilft ihr im Moment nicht weiter, sie daran zu erinnern).
* Sage nicht: “ich persönlich bin gegen Abtreibung oder ich würde nie abtreiben” und im Anschluss: “ich hasse dich nicht dafür” sie wird sich dadurch noch schuldiger fühlen.
* Teile weiterhin Freude und Späße mit ihr (nichts zum Thema Abtreibung), das wird sie aufmuntern.
* Distanziere dich nicht von ihr. Auch wenn du damit nicht klarkommst. Sie braucht deine Unterstützung so sehr. Es ist so schwer, eine Abtreibung zu durchleiden und es kommt einem noch schwerer vor, wenn man sich ganz alleine vorkommt.
* Tue nicht so, als wäre nichts geschehen. Es geschah und du solltest es annehmen. Du solltest fragen, wie es dazu kam oder ob sie darüber sprechen möchte, was sie erlebt hat. Dies ist ein sehr schmerzhafter Prozess (körperlich und seelisch). Sie braucht dabei Unterstützung und nicht jemanden, der sich so benimmt, als wäre nichts geschehen. Denke daran: Sie hat gerade die schlimmste Sache ihres ganzen Lebens durchgemacht. Frage sie, wie es ihr geht und ob es schmerzhaft war.
* Wenn du der Vater bist, sage nicht danach: „es waren die falschen Gründe“ “Es ist vorbei wenn du es getan hast, brauchen wir nicht mehr darüber zu reden”. Welches auch immer die Gründe waren, sie hatten Folgen und nichts kann das mehr ändern.
* Klinikpersonal: erwarten Sie nicht, dass sie jeden Schmerz aushalten muss, um es ihnen leichter zu machen. Stellen Sie sich vor, Sie würden nackt auf einem Tisch mit gespreizten Beinen bewegungsunfähig daliegen, ausgestreckt und die schlimmsten Qualen ihres Lebens durchmachen und dabei noch ihr Kind verlieren. Sie haben diesen Beruf gewählt, also haben Sie Respekt und Verständnis für sie.
* Wenn du deine Partnerin zur Abtreibung gedrängt hast, streite das später nicht ab mit Worten wie: „es gab keinen Druck. Es war deine Entscheidung“. Das ist die schlimmste Sache, die du ihr antun kannst. Sie weiß, dass sie verantwortlich ist, aber du auch und du weißt, dass deine Worte und Taten sie beeinflusst haben. Lass sie jetzt mit ihrer Schuld nicht alleine!
* Sage ihr nicht, dass du auch abgetrieben hättest. Das hilft ihr jetzt nicht weiter.
* Erzähle einer Frau nach Abtreibung, die keine Kinder hat, nicht, dass du dich sterilisieren lassen willst und sie so nie wieder welche bekommt (zumindest nicht von dir). Du zerstörst damit alle ihre Zukunftspläne, egal ob du vorhast, es wieder rückgängig zu machen, wenn sie dann Kinder möchte.
* Sage ihr niemals, sie solle jetzt darüber hinwegkommen, sich nicht mehr selbst bemitleiden. Diese Worte werden eine Frau noch viel tiefer verletzen.
* Schaue keinen anderen Frauen nach oder erzähle von anderen Frauen, auch nicht im Spaß oder weil du das immer tust, das kann ein Großangriff auf ihr Selbstbewusstein werden. Sie kann jetzt sehr sensibel sein, was ihr Aussehen betrifft: die Schwangerschaft ließ sie schön und fraulich aussehen und jetzt fühlt sie sich nur noch nutzlos und hässlich.
* Erzähle niemandem von der Abtreibung wenn du nicht ihre ausdrückliche Zustimmung dazu hast. Sie braucht jetzt nicht noch diesen Extra-Schmerz, von dir hintergangen worden zu sein.
* Lasse sie wissen, dass du für sie da bist. Gib ihr die emotionale Unterstützung, die sie braucht. Halte ihr keinen Vortrag, wie schlimm die Abtreibung für dich war. Wie denkst du fühlt SIE sich?
* Sage nicht, sie hätte die richtige Entscheidung getroffen, du hättest es aber selbst nicht tun können/getan.
* Sage niemals, du würdest sie verstehen, wenn du es nicht kannst. Und sage niemals, es wäre noch kein Kind gewesen. Höre ihr auch noch zu, wenn sie schon den ganzen Tag darüber geredet hat. Sie würde nicht darüber reden, wenn sie es nicht bräuchte. Versuche neutral zu bleiben und niemanden zu beschuldigen.
* Sage ihr nicht sie solle jetzt weiterleben und vergessen. Wie kannst du ihr Gefühle vorschreiben?
* Sage ihr nicht, sie wäre nicht bereit für ein Kind gewesen oder sie zu jung war oder sie es jetzt nicht gebrauchen konnte... Niemand außer ihr weiß, was sie braucht oder nicht braucht. Was ihr heilig ist und was sie liebt. Es ist IHR Leben. Sie selbst hat sich entschieden und nur sie bereut es in diesem Moment. Versuche nicht, ihre Gedanken zu lesen.. sei einfach ein Freund.
* Wenn du sie besuchst, bringe niemals kleine Kinder oder Babys mit.
* Sage niemals „es war das Beste so. Du hast so viel vor in deinem Leben“ Dies verstärkt ihre Schuldgefühle und sie fühlt sich egoistisch. Woher will irgendjemand wissen, was sie aus ihrem Leben machen wird? Du bist kein Hellseher.
* Sage ihr nie, wenn sie noch nicht selbst bereit dazu ist, sie solle aufstehen und weiterleben. Depressive Menschen haben mit den kleinsten Dingen Probleme (Freunde besuchen, zur Schule gehen...) und sie zu drängen ist keine Hilfe, ganz im Gegenteil.
* Sage nicht, es war nur ein medizinischer Eingriff wie eine Blinddarmoperation.
* Mache ihr keine Vorwürfe, sie macht sich selbst schon genügend. Ermutige sie vielmehr, sich nicht noch mehr zu belasten. Versuche keine Schock-Therapie (indem du sie zwingst, sich mit Kindern oder Babys zu beschäftigen). Ermutige sie vielmehr, nach draußen zu gehen und etwas was Freude macht zu unternehmen, aber lasse es ihre Entscheidung sein. Ermutige sie, zu lachen, schicke ihr eine lustige Karte oder einen lustigen Film. (nur nichts mit Schwangeren oder Babys). Jede Heilung braucht Zeit und sie braucht jetzt jede Hilfe! Umarmungen und Leute die sie darin unterstützen.
* Schlage ihr nicht vor, andere Kinder zu hüten oder Babys zu sitten. Erzähle nicht allen, dass du von der Abtreibung weißt. Sie hat keine Zeitungsannonce inseriert, damit alle Bescheid wissen. Fühle dich geehrt und halte den Mund!