Angst, andere zu verletzen
Ihre Anwesenheit oder Ihr telefonanruf verstärkt den Leidensdruck von Trauernden nicht, wenn ihr den Betroffenen gegenüber auf den Verlust hin entsprechend ansprechen. Mangelnde Anteilnahme (aus welchen Gründen auch immer) tut mehr weh.
- Gelegenheit zum Weinen zu haben ist heilsam für die Seele. Eltern (bitte seht sie als solche an!) brauchen das Gefühl, dass es in Ordnung ist, in eurer Gegenwart ihre Tränen zuzulassen
- Eine Berührung, In-den-Arm-genommen-Werden, ein warmherziger Blick, Tränen in den Augen, einfach schweigend dabeisitzen, dies alles kann mehr bewirken als tausend Worte. In Krisenzeiten kann oft mehr Nähe zugelassen werden als sonst!
- Eure Gegenwart ist hilfreich und tröstend, selbst wenn ihr euch unbeholfen und manchmal unbehaglich fühlt. Ihr braucht nicht zu reden wenn ihr nicht wisst was ihr sagen sollt. Einfach die Gefühle der Eltern ohne Kommentar zuzuhören ist genug. Ihr könnt mit Worten, Ton und Blick vermitteln, dass ihr offen seid, ihnen zuzuhören. (Augenkontakt und zugewandte Körperhaltung)
- Sprachlosigkeit und ein Gefühl der Hilflosigkeit sind normal in solch einer Situation
- keine Vorwürfe machen, die Situation und Gründe versuchen nachzuvollziehen
- behutsam nach Erinnerungen, Vorangegangenem, Einzelheiten fragen. Es tut gut, eigene Gefühle mitzuteilen
- spüren, wann Schweigen angebracht ist
- Schweigen ertragen können, nichts unüberlegtes sagen
- sensibel dafür sein, wenn Trauernde Zeit für sich brauchen
- wenn die Eltern ihrem Baby einen Namen gegeben haben, könnt ihr namentlich von ihm sprechen. Dies hilft, die Wirklichkeit zu akzeptieren und ist ein Zeichen der Würdigung seiner Existenz
- beim Aussortieren der Tatsachen ihrer Geschichte helfen, damit Eltern zu neuen Antworten kommen können
- bei ihren Entscheidungen unterstützen, aber so viel Selbstbestimmung und Selbstbeteiligung wie möglich anregen
- trauernde Väter und Geschwister nicht vergessen
- wo kein persönlicher Besuch möglich ist, anrufen, einen Brief oder eine Karte mit persönlichen Worten schreiben (keine Klischees)
- Blumen bringen/schicken
- an Jahrestage oder andere wichtige Daten denken
- während die Bewältigung des Alltags zeitweise schwer fällt, könnt ihr praktische Hilfe anbieten: mit zum Einkaufen gehen, im Haushalt helfen, Wäsche waschen, Geschirr spülen, Haustiere versorgen, Blumen gießen. Wichtig ist es, eine Balance zu finden zwischen hilfreich sein und hilflos machen.
- Lebende Kinder von Trauernden werden oft zwangsläufig vernachlässigt, weil die Eltern vor Kummer nur mühsam über sich hinausschauen können. Wir können bei der Betreuung dieser Kinder helfen, indem wir uns Zeit für sie nehmen, ihnen zuhöre, mit ihnen einen Spaziergang machen, mit ihnen spielen oder sie zu einem Spielnachmittag einladen, damit sie zu Momenten der Unbeschwertheit finden können.
- Trauernde ernähren sich oft ungenügend. Dies verschlechtert ihren körperlichen und seelischen Zustand. Eine schöne Sache wäre, beim Besuch nahrhaftes Essen mitzubringen oder anzubieten, eine Mahlzeit zu kochen
- Das Immunsystem Trauernder kann durch Bewegung verbessert werden. Dies können wir unterstützen, indem wir mit ihnen spazieren gehen, mit ihnen joggen oder sie zum Schwimmen einladen. Absagen nicht persönlich nehmen !
- Massage anbieten (Rücken beklopfen, so als ob Regentropfen darauf fallen würden oder Hände ruhig auf die Schulterblätter oder Schulterkuppen legen und Ruhe ausstrahlen)
- Zerstreuungsangebote (Konzert, Theater, Restaurant oder zum Essen zu sich einladen) damit die Eltern abschalten können. Akzeptieren wenn sie nicht so ganz dabei sein können mit ihren Gedanken.
- Musikabend/Gesang - Vorlesen - bei einer Arbeitskollegin/einem Arbeitskollegen: Blumen oder eine Karte an den Arbeitsplatz stellen. Nicht meiden!
- Trauernden ihre eigene Zeit und Form zu trauern zugestehen. Unterschiedlichkeiten akzeptieren. Nicht davon ausgehen, dass das, was gut für euch ist, auch für andere gilt!
- ein Buch anbieten oder schenken (z.B. Julie Fritsch: „Unendlich ist der Schmerz“, Frank E. Peretti „Tilly“)
- auch wenn Zeit verstrichen ist können wir noch unsere Gefühle gegenüber Trauernden ausdrücken. Besser spät als gar nicht.
- zu den Menschen hingehen, da sie es nicht schaffen, um Hilfe zu bitten (einfach sagen dass ihr kommt und nur wegbleiben wenn sie es ausdrücklich wünschen) - keine Konfrontation mit kleinen Babys, auch keine Bilder
- da sein, wenn andere sich schon zurückgezogen haben. Das 2. Halbjahr nach dem Verlust ist auf seine Weise schwieriger als die Zeit davor.
Evtl. mit anderen absprechen und abwechseln.
- an kritische Zeiten denken: Todestage, errechneter Geburtstermin, Muttertag, Feiertage
- Gedicht oder Lied für sie schreiben
- Spende an eine Stiftung oder Selbsthilfegruppe
- einen Baum pflanzen als Ort für die Trauer und zur Förderung der Heilung
- auf ungesunden Trauerprozess achten und evtl. vorschlagen, sich Unterstützung zu holen